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09.03.10 15:21 Uhr

Bürger gestalten beim ISEK ihre Zukunft mit

Von: Lorenz Märtl

Die Bürger gaben den Planern viele Anregungen mit auf den Weg.

ALTDORF – Bürgermeister Erich Odörfer brachte das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK)“ im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Leben findet Innenstadt“ so auf den Punkt: wir wollen etwas für die Zukunft tun, für die Innenstadt und für die Außenorte. Und dafür wollen wir uns richtig aufstellen.“ Mit der öffentlichen Auftaktveranstaltung in der Stadthalle ist der Anfang gemacht. Ein vielversprechender, wie die übereinstimmende Meinung der Verantwortlichen war. Was sich schon bei der Umgestaltung des Marktplatzes bewährt hat, will man auch hier umsetzen: die Bürgerinnen und Bürger werden von Anfang an mit einbezogen. „Wir wollen kein Konzept im stillen Kämmerlein erstellen, sondern dieses gemeinsam mit der Bevölkerung entwickeln“, meinte der Bürgermeister zu den rund 100 Interessierten aller Altersklassen, die sich eingefunden hatten.
Die Erarbeitung des ISEK geschieht unter Federführung des Münchner Büros „Schober Architekten + Stadtplanung“, dessen Chefin Petra Schober zusammen mit den Vertretern der beteiligten Büros „Heinritz, Salm und Stegen“ (Wirtschafts- und Sozial- Geografie) und „Lang + Burkhardt“ (Verkehr) die Grundsätze und den Weg in Impulsreferaten aufzeigte, bevor man in den Dialogecken zu den Themen  Architektur und Stadtplanung, Verkehr und Mobilität, Einzelhandel und Tourismus sowie Bevölkerung und soziale Infrastruktur mit den Bürgern das Gespräch suchte, wovon diese regen Gebrauch machen.
Stärken und Schwächen
Und sie gaben den Planern eine lange Liste von Anregungen mit auf den Weg nach München, wo diese in den nächsten Monaten in die weitere Arbeit einfließen werden. Grün und Rot geschrieben sollte zum Ausdruck gebracht werden: „Darauf bin ich besonders stolz! Das zeichnet Altdorf aus!“ und „Das stört mich besonders! Das sollte künftig besser werden!“, wobei aber viele im Eifer des Schreibens vergaßen, den Stift zu wechseln. Und nur deshalb war „Rot“ tonangebend.
Petra Schober zeigte sich zufrieden mit dem, was die Bürger anbrachten, ist es für sie und die anderen Planer doch ein wichtiger Gradmesser, wo derzeit der Schuh drückt.
Mit den Erfahrungen, die sie mit ihren Leuten und den Partnern, mit denen sie schon länger zusammen arbeitet in anderen Städten gesammelt hat, ist dies die richtige Mischung für die ersten Ansätze.
Dauerbrenner Verkehr
Was die Altdorfer wohl am meisten beschäftigt ist das Thema Verkehr. Da gibt es für Robert Ulzhöfer vom Büro „Lang + Burkhardt“ viel zu tun, denn ihm unterliegt der Themenbereich  Verkehr und Mobilität. Ulzhöfer hat einen großen Vorteil: er kennt die Altdorfer Verhältnisse – aus der Sicht des Verkehrsplaners und berät die Stadt seit 1999 in Verkehrsfragen. Er lobte die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die nun ihre Fortsetzung finde. Für den Stadtrat hat er ein dickes Lob mitgebracht.
Altdorf sei in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich bei der Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen aus dem Verkehrsgutachten von 2001 gewesen. Im Rahmen von ISEK beinhalte sein Arbeitsprogramm zunächst die Aktualisierung der Grunddaten zum fließenden und ruhenden Verkehr, die Fortschreibung des Verkehrskonzepts aus dem Jahre 2001.
Wichtige Arbeitsfelder sind der Öffentliche Verkehr (Wie sind die Chancen für einen innerstädtischen Stadtbusverkehr, ggf. unter Einbeziehung der größeren Ortsteile, einzuschätzen? Welches Verlagerungspotenzial an Kfz - Verkehr hat ein solcher Stadtbusverkehr? Welche Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein?), der Radverkehr (Welche Maßnahmen sind zur Erhöhung der Sicherheit erforderlich? Wo kann z.B. die Markierung dazu beigetragen werden, den Radfahrer zu mehr Gleichberechtigung im Straßenverkehr zu verhelfen? Wieviel Raum benötigt der Kfz - Verkehr noch? Wie kann die Rolle des Fahrrads als Zubringerverkehrsmittel zur S - Bahn verstärkt werden? Aktualisierung der Verkehrsdaten), ruhender Verkehr (Wie hat sich die Situation mit der Umgestaltung des Oberen Marktes und des Unteren Marktes verändert? Werden die umliegenden Parkplätze nun besser angenommen? Wo stehen die Dauerparker? Muss die Parkraumbewirtschaftung noch besser an die Nachfrage angepasst werden? Welche Verbesserungen bieten sich für den P+R - Platz am Bahnhof an? Aktualisierung der Verkehrsdaten), fließender Verkehr (Wie hat sich die Situation seit der Fertigstellung der Nordwest – Tangente verändert? Wie haben sich die Verbesserungen an der Rieger - Kreuzung ausgewirkt? An welchen Kreuzungen müssen noch Verbesserungen ergriffen werden? Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus den bisher umgesetzten Maßnahmen für das künftige Altdorfer Straßennetz und seine Gliederung ziehen?).
Demographischer Wandel
Den  demographischen Wandel, der auch vor der Stadt Altdorf nicht Halt macht hatte Volker Salm zum Thema, der mit Eckdaten zur Entwicklung Altdorfs aufwartete und zudem Erfahrungen aus der Praxis mit „Leben findet Innenstadt“ einstreute.
Würde der Altdorfer Bürgermeister 2010 zu einem Neugeborenenempfang einladen, dann müsste er 117 Einladungen versenden, 2025 wären es 108 Einladungen. Im Vergleich dazu zeigte er die Gratulationen zum 85. Geburtstag durch den Bürgermeister in den gleichen Jahren auf:  2010 71 Gratulationen, 2025 schon 131.
Er zeigte damit auf, dass es in den kommenden Jahren aufgrund niedriger Geburtenraten und einer steigenden Lebenserwartung zu einem Rückgang und gleichzeitig zur Alterung der Bevölkerung kommen wird. Dies bedeute auch, dass die Anzahl der gut ausgebildeten jungen Menschen  in wenigen Jahren nicht mehr ausreichen werde, um die Lücken zu schließen, die die Gruppe jener qualifizierter Arbeitskräfte hinterlasse, die in den kommenden Jahren altersbedingt aus den Unternehmen ausscheiden. Dieser Wandel in der Bevölkerungszusammensetzung bringe  zudem eine veränderte Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen mit sich.
Mobilität erhalten
Für Kommunen und Politik stellen sich folgende Fragen: Wie kann langfristig die Mobilität insbesondere der alternden Bevölkerung sichergestellt werden? Wie kann künftig die Versorgung der Menschen gerade in ländlichen Regionen gesichert werden? Wie passen wir die Infrastruktur an die demographischen Veränderungen an (bei sinkenden öffentlichen Einnahmen und steigenden Ausgaben?) Volker Salm: „Die Überalterung der Bevölkerung ist auch in Altdorf ein Thema und muss bei den künftigen Planungen bedacht werden. Die Konsequenzen aus dem demographischen Wandel wären vielfältig: die Nachfrage nach betreutem Wohnen steigt, der Ausbau der sozialen Infrastruktur muss forciert werden, Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung und zudem sind professionelle Angebote für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf notwendig.
Altdorf müsse als Wohn- und Lebensort seine Attraktivität langfristigaufrecht erhalten. Er zitierte den früheren bayerischen Innenminister Dr. Günther Beckstein, der bei der Auslobung des Modellvorhabens „Leben findet Innenstadt“ sagte: „Unsere Innenstädte und Ortszentren sind seit jeher Mittelpunkte
des wirtschaftlichen, sozialen kulturellen und politischen Geschehens. Aber jetzt befinden sie sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Wichtige Funktionen und Nutzungen gehen zurück – wenn wir nichts dagegen unternehmen. Die öffentliche Hand kann allerdings wenig ausrichten. Unternehmen, Bürger und Grundstückseigentümer sind in gleicher Weise gefordert, die Ortszentren attraktiv zu halten und zu gestalten.“
Freiwillige Kooperationen
Das Modellvorhaben setze auf freiwillige Kooperationen, ein großes Eigeninteresse der Anlieger und eine hohe Mitwirkungsbereitschaft der örtlichen Akteure. Diese private Mitwirkung zu fördern und Anreize zu schaffen sei  ein zentrales Anliegen des  Vorhabens.
Petra Schober hatte in ihren Ausführungen aufgezeigt, warum ISEK für Altdorfs Zukunft ein wichtiges Instrument ist: Die Rahmenbedingungen würden sich immer mehr verändern und deswegen müsse man den Wandel und die Erneuerung aktiv gestalten.  Wichtige Hilfestellung leiste dabei das Städtebauförderungsprogramm „Leben findet Innenstadt“. Sie zeigte auf, dass die regionalen und städtischen Zusammenhänge sehr komplex sind und nur ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept diese Zusammenhänge transparent mache. Aus diesem Verständnis heraus, so Schober,  könnten konzeptionelle Grundlagen für eine nachhaltige und weitsichtige Stadtentwicklung erarbeitet werden.
Kurz skizzierte sie dann den zeitlichen und inhaltlichen Ablauf des ISEK,  das nach der Bestandsaufnahme in der Kernstadt und in den Ortsteilen unter Koordination der Fachplaner durch Schober Architekten und Mitarbeit der noch zu installierenden „Internen Arbeitsgruppe“ aus Verwaltung + Fachplanern und des „Beteiligungsgremiums“ als Rückkopplung zu Politik und Öffentlichkeit in die Analyse übergeht.
Darin sollen sowohl Stärken und Schwächen als auch Chancen und Risiken aufgezeigt werden. Dies geschieht in  Sitzungen der „Internen Arbeitsgruppe“ und des „Beteiligungsgremiums“ sowie weitere Bürgerbeteiligung durch Information über den Planungsstand.
Die Gremien des Stadtrats sind dann mit einem Beschluss zu den Zielen, Handlungsfeldern, -orten und Konzept gefordert. Die darin aufgezeigten Perspektiven, Ziele, Strategien sind dann Gegenstand der Bürgerbeteiligung durch eine  Vortragsreihe im Sommer, eine Informations-Zeitung, offene Planungswerkstatt. Gleichzeitig laufen Sitzungen der internen Arbeitsgruppe und des Beteiligungsgremiums.
Ziele und Strategien
Ende des Jahres soll dann das Integrierte Handlungskonzept mit Leit- und Impulsprojekten stehen und der Stadtrat den entsprechenden Beschluss fassen. Dann geht es in die Umsetzungsphase von „Leben findet Innenstadt“ an deren Anfang die Maßnahmenagenda, die Installation von Projektmanagement und Projektbüro, Festlegung der Organisationsstruktur und Finanzierung, die Definition des Projektgebiets und räumlicher Schwerpunkte, Installation der Lenkungsgruppe sowie die Gründung eines Fördervereins oder einer IG mit Verfügungsfond. Ihre Präsentation schloss sie ,mit einem stimmungsvollen Bild von der Marktplatzeinweihung. „Ich möchte, dass wir mit dieser Stimmung, mit der sie den Marktplatz einweihten in das ISEK-Projekt starten.




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