Stiefmütterchen in den Startlöchern


RÜCKERSDORF/RÖTHENBACH (jz) - Gerade haben die Hobbygärtner in der Region freudig die Schaufeln und Gießkannen aus dem Keller geholt, schon hat der Winter sie wieder fest im Griff – und das dürfte wohl auch noch einige Tage dauern. Was heißt das für die Pflanzenwelt? Die PZ sprach mit zwei Fachmännern: mit Erich Bräunlein, der in Lauf und Rückersdorf eine Gärtnerei mit Baumschule betreibt, und mit Gärtnermeister Christian Werner aus Röthenbach.
«Die Kälte allein wäre gar nicht das Problem. Uns macht mehr die Sonne am Tag Sorgen», sagt Erich Bräunlein. «Über Nacht kühlen die Pflanzen auf minus zehn, minus zwölf Grad ab. Dann scheint die Sonne drauf und erwärmt sie binnen kürzester Zeit auf bis zu 30 Grad plus. Dadurch zerreißt es geradezu die Zellen in den Pflanzen.»
Besonders gefährlich sei das für immergrüne Gewächse, die schon früh im Saft stehen, beispielsweise Nussbäume oder Ahorn. Die fingen schon nach ein paar warmen Tagen an, auszutreiben und seien dann besonders anfällig.
Alle Gewächse, die während der wenigen schneefreien Tage schon getrieben haben, muss man nun besonders schützen. Bräunleins Rat an den Hobbygärtner: «Immer mit Fleece abdecken, nie mit Folie. Die macht es nur noch schlimmer, weil sie die Sonne wie ein Brennglas verstärkt», sagt der Baumfachmann. Gleichzeitig dürfe man trotz winterlicher Temperaturen auch das Gießen nicht vergessen.
Der neuerliche Wintereinbruch bereitet Bräunlein auch deswegen weniger Kopfzerbrechen, weil der Winter ohnehin kalt war. «Wäre es ein sehr milder Winter gewesen, wäre der Kälteeinbruch jetzt viel verheerender.»
Bei Blumen Werner in Röthenbach läuft der Betrieb noch mit «angezogener Handbremse», wie Chef Christian Werner erzählt. «Eigentlich wäre ich jetzt gerne mit meinen Männern auf dem Friedhof zur Gräberpflege. Aber durch den Schnee und die Kälte muss ich damit eben noch ein bisschen warten», sagt er. Im Allgemeinen aber kann der Familienbetrieb noch relativ leicht auf solche Wetterkapriolen reagieren, auch weil Werners drei große Gewächshäuser haben.
Die selbst gezogenen Primeln, Stiefmütterchen und Narzissen beispielsweise blühen bereits in den prächtigsten Farben, können aber noch nicht verkauft werden, weil die Kunden sie nicht einpflanzen können. Aber so bleiben sie einfach noch ein paar Tage im so genannten «Kalthaus» bei fünf bis acht Grad stehen.
Seinen Kunden rät Christian Werner, mit dem Gärteln einfach noch ein bisschen abzuwarten. «Einige Baumschnitte oder ähnliches kann man jetzt schon machen, aber mit dem Rest geht es erst los, wenn der Schnee weggetaut ist», so der Profigärtner. Bis dahin kann man sich mal ein buntes Blümchen in die Wohnung stellen und sich auf wärmere Tage freuen.


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