Frust und Hoffnung bei KKT in Lauf

LAUF (fi) - Ärger, Wut, Verzweiflung: Die 170-köpfige Belegschaft des Laufer Kälte- und Klimaspezialisten KKT (Kraus Kälte- und Klimatechnik), war gestern nicht gut auf das Management der schweizerischen Schulthess Group zu sprechen, nachdem man von der Schließung der Werke Lauf und Röthenbach erfahren hatte (die PZ berichtete). Viele Beschäftigte halten das Angebot der Geschäftsleitung, mit KKT nach Kasendorf bei Kulmbach umziehen zu können, für vorgeschoben, um Mitarbeiter «elegant» loszuwerden.
Richtig sauer auf die Verantwortlichen der Schweizer AG, die KKT im Jahr 2005 gekauft hatte, ist auch ein maßlos enttäuschter Firmengründer Herbert Kraus, der bis zuletzt im Aufsichtsrat saß und dem noch alle Immobilien im Laufer Industriegebiet und in der Röthenbacher Mühllach gehören. «Sollte es bei uns eine Nachfolgegesellschaft für KKT geben, so kann diese mit meiner vollen Unterstützung rechnen, ich stehe mit Rat und Tat zur Verfügung», sagt Herbert Kraus, der ausschließlich Managementfehler für den aktuellen Gewinnrückgang verantwortlich macht. Er jedenfalls, so schreibt er in einer Mail in die Schweiz, werde nicht einfach zusehen, wie KKT zugrunde gehe. Mit der Entscheidung, Lauf und Röthenbach aufzugeben, seien noch vorhandene Bande mit dem Schweizer Unternehmen zerschnitten, so Kraus, der sich beim Verkauf vor fünf Jahren vor allem für die Schweizer entschieden hatte, «weil es hier echte Entwicklungsmöglichkeiten für KKT gegeben hat.»
In einer gemeinsamen Presseerklärung hieß es vor fünf Jahren noch: «Firmengründer Kraus sieht den Verkauf als Schritt zu seiner Nachfolgeregelung. Mit der Schulthess Group wurde ein Partner gefunden, der im Sinne der KKT-Philosophie auf Mensch und Standortsicherheit sowie gesundes, sanftes Wachstum setzt.»
Zornig und aufgebracht ob der beschlossenen Werksverlagerung nach Oberfranken reagierte auch der KKT-Mitarbeiter und 3. Laufer Bürgermeister Georg Schweikert in der Betriebsversammlung am Mittwoch, wie aus Belegschaftskreisen zu hören ist. Noch im Herbst hatte der inzwischen gekündigte Chef Artur Rodecker vor den Mitarbeitern des Anlagenbaues in Lauf eine Verlagerung nach Kasendorf, wo eine Schulthess-Tochter Wärmepumpen fertigt, ausgeschlossen. Wie sich jetzt herausstellt, sei dies eine «Lügenpolitik», so Schweikert in der Versammlung, in der der neue Chief Executive Officer (CEO) Werner Karlen die Verlagerung bekannt gegeben hatte.
«Am Boden zerstört» fühlte sich gestern ein Mitarbeiter, der seit 15 Jahren bei Kraus beschäftigt ist, seinen Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen möchte und nicht mit Kritik hinter dem Berg hält. In den letzten zwei Jahren sei fast alles, was KKT ausgemacht habe, kaputt gemacht worden, «die (Schulthess) waren doch nur am Geld interessiert und nicht an den Mitarbeitern». An Kasendorf glaube jedenfalls kaum einer im Betrieb, so ein anderer Mitarbeiter, der schon fast 20 Jahre im Haus ist. «Das kann doch gar nicht funktionieren, 170 Mann in den neuen Betrieb zu integrieren, die wissen doch gar nicht, wohin mit uns. Die Geschäftsleitung ist vermutlich nur an ein paar Spezialisten interessiert und versucht, so den Rest sehr günstig loszuwerden», so der Vorwurf.
In der Schulthess Group habe man definitiv kein Konzept gehabt, wie man mit dem Kälte- und Klimaspezialisten in Lauf und Röthenbach vorankommen wolle, so Herbert Kraus. Im Gegenteil: «Netzwerke wurden zerstört, der Serienfertiger Schulthess kam nicht mit dem kundenorientierten Lösen von individuellen Problemen klar.» Und man wollte offensichtlich nicht auf Kraus hören, schließlich saß er bis Ende 2009 im Aufsichtrat der KKT GmbH.
In einem Brandbrief Ende letzten Jahres hatte Kraus dem Schulthess-Chef Rudolf Kägi vorgerechnet, wie der Gewinn seit der Übernahme eingebrochen sei und wie seiner Meinung nach Gelder in Millionenhöhe von ständig wechselnden Geschäftsführern in Lauf – Kraus nennt sie Vasallen – verschwendet wurden. Und das für «unsinnige Projekte» wie Motivationstrainer oder die Installation einer Entwicklungsabteilung.
Kraus’ Plan, das Unternehmen mit neuem Geld innerhalb von zwei Jahren wieder flott zu machen, fiel bei den Schweizern durch. Ein Dutzend Leistungsträger haben deshalb allein in den letzten Monaten gekündigt und streben jetzt die Selbstständigkeit an. Und dennoch: Allen anderen Mitarbeitern von KKT empfiehlt Herbert Kraus, mit nach Kasendorf zu gehen. Das gilt ganz konkret für eine Röthenbacher Abteilung, wo unter anderem die Kühler für Siemens-Computertomographen in Kleinserie gefertigt werden: Hier gab es schon die ersten Anweisungen, sich für den Umzug vorzubereiten.


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