Sammlerexemplare bis 12. Februar zu sehen

Löffler-Stühle im Heimatministerium Nürnberg

Die in Nürnberg ausgestellten Stühle aus drei Jahrhunderten sind sehr unterschiedlich.  Foto: M. Scholz
Die in Nürnberg ausgestellten Stühle aus drei Jahrhunderten sind sehr unterschiedlich. Foto: M. Scholz2016/02/6979719.jpg

REICHENSCHWAND – Der Reichenschwander Unternehmer Werner Löffler zeigt bis 12. Februar im Heimatministerium in Nürnberg 28 ausgewählte Exemplare aus seiner Sammlung von über 1300 Sitzmöbeln. Die Ausstellung eignet sich bestens für Wortspiele mit dem Hausherrn, Bayerns „Kronprinz“ Markus Söder: „Ein Stuhl darf alles, nur nicht wackeln“ oder „zwischen zwei Stühle will niemand geraten“, war zu hören. Außerdem fand ein Thron viel Aufmerksamkeit.

Söders Äußerungen oder Gesten wird gerade einiger Symbolwert zugeschrieben. So hörte es sich schön vieldeutig an, als der Finanzminister und heiße Kandidat für das Seehofer-Erbe in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung Löfflers außergewöhnliche Exponate als „Inspiration und Ansporn“ bezeichnete. Besonders freute er sich über zwei „politische Stühle“, einen Sitz mit Pult von 1949 aus der ersten Ausstattung des Bundestags und einen klappbaren Plenarstuhl aus dem Landtag, in den er sich in seinen politischen Anfangsjahren selbst schon „hineingezwängt“ habe.

Heute braucht er aber etwas anderes, wie sein handschriftlicher Eintrag auf einer als Gästebuch dienenden Plakatwand belegte. Aus mehreren Stuhl-Skizzen suchte er sich extra ein Möbelstück heraus, das er mit dem Etikett „schwer, breit, stabil“ versah. Wie zufällig stand in unmittelbarer Nähe ein geschnitzter und mit Muscheln verzierter Thron, ein sogenannter „Königin-Mutter-Stuhl“ aus Kamerun, der vor 1931 datiert ist. Auch wenn es noch so reizte, Probesitzen war nicht erlaubt, was für alle wertvollen Sammlerstücke gilt, zum Beispiel einen Rattan-„Kinderarmlehnsessel“ von 1934, einen elegant geschwungenen Schichtholz-Sessel mit Teakfurnier von 1963 oder einen Armlehnstuhl von 1908.

Wie alle Exponate sind sie Werke berühmter Designer aus der ganzen Welt. Deshalb ist das Interesse daran schon mal global: Söder hob hervor, dass Löfflers Sammlung außer im Germanischen Nationalmuseum auch bereits im Museum of Modern Arts in New York zu sehen war.

„Was macht einen guten Stuhl aus?“, fragte Architekt Thomas Schriefer in seiner einführenden Rede in die große Runde von etwa 100 Eröffnungsgästen, darunter Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg, Stuhl-Fachmann Götz Reichel und die „Möbelmacher“ Ute und Herwig Danzer. Er könne kapriziös und kunstvoll sein, gut fürs Geschäft, oder einfach bequem. Ausstellungsbesucher könnten sich nun ihrer engen Beziehung zu Stühlen bewusst werden. Er lud sie ein, ihre Erkenntnisse, wie dann auch Söder, auf ein Plakat zu notieren. Diese verschiedenen „Sitzpunkte“, so der an den Begriff „Standpunkte“ angelehnte Titel der Ausstellung, ergäben ein neues, wertschätzendes Gesamtbild von einem Nutzgegenstand, „der uns tagtäglich so nah ist, wie kaum ein anderer“, so Werner Löffler.

Die Ausstellung im Heimatministerium in Nürnberg ist werktags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. In der Sammlung Löffler in Reichenschwand findet am 21. Februar, 14 bis 17 Uhr, die nächste öffentliche Führung statt Kontakt: Tel. 09151/830080.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz
Carl Gross-The12tenors