HipHop trifft fränkische Kärwa-Liedla
PATTENHOFEN – Von Pattenhofen auf die große Showbühne des Nürnberger Bardentreffens: Der Keyboarder Patrick Köbler spielt am heutigen Samstag, 28. Juli, vor tausenden Zuschauern mit der Band Kellerkommando auf der Insel Schütt (21.30 Uhr). Eine riesige Freiluft-Party ist garantiert, wenn die sieben Musiker fränkische Kärwa-Lieder mit HipHop und krachenden Beats verbinden.
Als der Anruf kam, der sein Leben fortan gewaltig verändern sollte, saß der Pattenhofener Patrick Köbler im Sommer 2009 gerade genüsslich im Biergarten an der Wöhrder Wiese in Nürnberg. Am anderen Ende der Leitung war der Bamberger Sebastian Schubert, Bassist, Musik-Produzent und neben Akkordeon-Spieler und Texte-Schmied David Saam einer der beiden Gründer von Kellerkommando. Ob er einsteigen wolle in das gewagte Projekt, das derbe fränkische Kärwa-Lieder mit harten, russischen Rap-Einlagen verbindet, wurde Köbler gefragt.
Köbler ging zur ersten Probe, hörte die beiden Songs „Kunnerla“ und „Nachbar“ (Textprobe: „Und wenn mei Nachbar numoll sacht, ich hätt’s mit seiner Maad, dann steig ich übern Gaddnzaun und scheiß auf sein Salod“), und war sofort Feuer und Flamme für das Projekt. An den deutsch-russischen Rapper Schokk musste er sich allerdings erst gewöhnen: „Ein total zutätowierter Gangster-Rapper mit Glatze. Da hatte ich schon Respekt“, gesteht der Pattenhofener. Doch Schokk stellte sich als umgänglicher Kerl heraus – und ist ohnehin mittlerweile von Rapper Ali A$ und damit auch deutschsprachigen Texten abgelöst worden.
„Es ist schon Wahnsinn, was in dieser kurzen Zeit alles passiert ist“, sagt Patrick Köbler über die vergangenen zweieinhalb Jahre. 2011 gewann das Kellerkommando den renommierten Creole-Weltmusikpreis, wenig später spielte die siebenköpfige Truppe vor 3000 euphorisierten Mexikanern in Guadalajara. Die großen Plattenfirmen boten um die Wette, um die Franken an Land zu ziehen. Das Debüt-Album erscheint nun bei Warner Music. Im Februar oder März 2013 soll es so weit sein.
Studium an Musikhochschule
Ein großer Schritt auch für Köbler – auch wenn er vorher schon gut im Geschäft war. Nach einer zweijährigen Ausbildung an der Nürnberger Musikschule Musication studiert er seit 2008 an der Hochschule für Musik in Nürnberg Jazz-Piano. „Eigentlich bin ich ja gar nicht so der Jazzer. Aber diese Musik ist so komplex, dass man auch für andere Stilrichtungen unglaublich viel profitieren kann“, meint Köbler.
Nebenbei haut er noch in zwei Hochzeitsbands in die Tasten und war mit der Tribute-Band „The Barry White Experience“ schon in Marbella oder Russland unterwegs. Momentan hat das Kellerkommando aber absolute Priorität. „Das ist eine einmalige Chance“, sagt Köbler.
Angefangen hat er wie alle: ganz klein. Mit sechs Jahren weihte ihn sein Vater, ein großer Jerry-Lee-Lewis-Fan in Pattenhofen in die Geheimnis des Pianos ein. Fortan versuchte sich der kleine Patrick an Boogie-Woogie- und Blues-Improvisationen. Mit neun Jahren stieg er dann in Burgthann in den richtigen Privat-Unterricht ein, am musischen Labenwolf-Gymnasium in Nürnberg vertiefte er seine Kenntnisse. Die Musikalität wurde Köbler offenbar in die Wiege gelegt: Der eine Großvater spielte mit Klarinette und Saxophon vor allem Volksmusik, der andere ging mit Gitarre und Gesang eher in die Country-Richtung und stand sogar mit Louis Armstrong und Peter Kraus auf der Bühne.
Von ihnen hatte sich der Pattenhofener, der seit einem halben Jahr in Nürnberg wohnt, offenbar schon in frühen Jahren so einiges abgesehen: Er spielte mit der Band „B-Flash“ im Burgthanner Jazz-Keller, untermalte Vernissagen in der Burgthanner Bücherei oder spielte beim Neujahrsempfang auf. Im Oktober hat er nun sein Diplom-Konzert an der Musikhochschule.
Bei Kellerkommando bedient Köbler vor allem den Synthesizer, ist mit seinen Sound-Effekten für den moderneren Part in der Band zuständig, während David Saam mit dem Akkordeon und die zweiköpfige Bläser-Fraktion für den Volksmusik-Charakter sorgen. Die Exotik der fränkischen Kärwa-Lieder kommt überraschend gut an: „Sogar in Norddeutschland funktioniert das total gut“, staunt Köbler. „Am Anfang waren wir uns selbst unsicher, wie unsere Musik ankommt. Das hat man uns vielleicht auch ein bisschen angesehen“, gesteht er. Durch jeweils 30 erfolgreiche Festival-Auftritte in diesem und im vergangenen Jahr gestärkt, geht die Band mittlerweile mit ganz anderem Selbstbewusstsein auf die Bühne. Im kommenden Jahr soll eine ausgedehnte Tour folgen. Vielleicht schafft es dann das Fränkische ja sogar in die Top Ten der Charts.
MARTIN MÜLLER


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