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Kultur DB
25.04.12 14:50 Uhr

Saurier und Mineralien

Von: Der Bote

Bei der Wiedereröffnung der Fossilien-Abteilung im Altdorfer Universitäts-Museum freute sich Altdorfs Bürgermeister Erich Odörfer (links), Dr. Rudolf Seufert (rechts) den Abdruck eines feingeschnäbelten Fischsauriers als Dank überreichen zu können. Foto: Krätzer
Bei der Wiedereröffnung der Fossilien-Abteilung im Altdorfer Universitäts-Museum freute sich Altdorfs Bürgermeister Erich Odörfer (links), Dr. Rudolf Seufert (rechts) den Abdruck eines feingeschnäbelten Fischsauriers als Dank überreichen zu können. Foto: Krätzer

ALTDORF – Meerwasser bedeckt Süddeutschland bis kurz vor München und tropische Temperaturen herrschen. Im Wasser wimmelt es von Leben. Gewaltige Fischschwärme durchziehen die Fluten, ebenso wie Tintenfische, Ammoniten und Quallen. Riesige Riffe bieten allen möglichen Bewohnern wie Krebsen, Muscheln und Schwämmen Lebensraum, während Seelilien und andere den Meeresgrund für sich erobern. Für die großen Jäger zu Land und zu Wasser ist der Tisch reich gedeckt, nur stammen sie nicht aus der Familie der Säugetiere sondern sind Echsen, Saurier. Mehr als 180 Millionen Jahre sind seit diesem Jura-Meer vergangen und fossiler Funde berichten von diesem Leben, jetzt auch wieder im Altdorfer Universitätsmuseum, in der neuen Abteilung.

Klein und fein ist die neue-alte Fossilienabteilung in den ehemaligen Räumen des früheren Kulturamtes, die jetzt Bürgermeister Erich Odörfer in einem Festakt mit Ehrengästen darunter Kanzler Thomas A.H. Schöck (Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg) eröffnete. Mit ihrer Wiedereröffnung lebt eine Tradition Altdorfs auf, denn bereits im Gründungsjahr der Universität Altdorf1575 existierte hier ein Naturalienkabinett. 1809 mit Auflösung der Universität gingen die Exponate an die Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg über. Vor fast 30 Jahre fanden einige Fundstücke den Weg zurück und 1997 erhielten sie einen Platz im gerade eröffneten Universitäts-Museum. Herzlich dankte Odörfer allen, die zur Wiedereröffnung mit Spenden und Leihgaben beigetragen hatten, ‚die Jahrmillionen alten Fossilien hätten eine neue, würdige und repräsentative Heimat gefunden‘.

Als besonderen Dank für seinen unermüdlichen Einsatz überreichte der Bürgermeister dem Kurator der Sammlung Rudolf Seufert (Hagenhausen), „ein dreidimensionales Bild“, den Abdruck einer feingeschnäbelten Fischechse (Ichthyosaurus tenuirostris). Über ein Jahr lang hatte Seufert in unzählig vielen Stunden alle vorhandenen Fossilien gesäubert, präpariert, geordnet, ausgewählt, bestimmt, beschriftet und sie liebevoll für die Präsentation aufbereitet. Das Ergebnis spricht für sich, ist übersichtlich, informativ, teils wie die Handstücke zum Anfassen und damit zum Begreifen.

In zwei Räumen lässt sich natürlich nicht allzu viel unterbringen, dafür aber glänzt die Sammlung mit sehr beeindruckenden und ausgesuchten Exponaten: Versteinerte Fische sind so wunderbar erhalten, dass man jede Schuppe ausmachen kann, die Gesteinssammlung bietet einen kleinen Querschnitt regionaler Mineralien und Gesteine, dazu große Ammoniten, in einer Größe zwischen Brotlaib und kleinem Wagenrad.

Ein umfassend zusammengestelltes Fossilienkabinett enthält neben Versteinerungen, Mineralien und prähistorische Artefakte wie das zur Zeit des Altdorfer Medizinprofessors Johann Jacob Baier (1677 - 1735) üblich war.

Zu den Glanzstücken des Universitätsmuseums gehören der Kopf eines Meereskrokodils, ein Platte mit Fischsaurier und ein Fischsaurierbaby. Zudem zeigt sehr schön erhaltener Altdorfer oder Bauderscher Marmor, wie er nach dem geschäftstüchtigen Vertreiber, Kommerzienrat, Händler und Altdorfer Bürgermeister Johann Friedrich Bauder (1713-1791) auch genannt wird, im Querschnitt unzählige Versteinerungen.

Information sei im Zeichen des Internets heute kein Thema, gab Seufert in seiner Ansprache zu Bedenken, virtuell seien Archive, Museen und vieles mehr jederzeit zugänglich. Doch ein Museum sei die Begegnung mit der Realität, mit begreifbaren Dingen, die für sich sprechen und den Bogen vom unvorstellbar lang zurückliegenden Gestern zum aktuellen Heute schlagen.

Demnächst wird die Fossiliensammlung noch um eine Rarität reicher: Als Zeichen der Verbindung übergibt die Erlanger Universität dem Altdorfer Universitäts-Museum die Versteinerung eines Ichthyosauriers. Dorothée Krätzer




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