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Kultur DB
03.02.12 15:25 Uhr

Erfolg mit Scènes Grégoriennes

Von: Der Bote

Manfred Meier-Appel erzielte einen hervorragenden Preis beim „Concours de Composition Aristide Cavaillé-Coll“ mit seiner Orgel-Komposition.
Manfred Meier-Appel erzielte einen hervorragenden Preis beim „Concours de Composition Aristide Cavaillé-Coll“ mit seiner Orgel-Komposition.

SCHWARZENBRUCK – Mit dem Konzert-Organisten und Komponisten Manfred Meier-Appel besitzt Franken ein Juwel der zeitgenössischen Musik. Der aus Ochenbruck stammende Künstler wurde nun für sein Orgelwerk, die Suite pour Orgue „Scènes Grégoriennes“, mit einem internationalen Preis ausgezeichnet.

Manfred Meier-Appel wurde zu einem von drei Siegern des internationalen „Concours de Composition „Aristide Cavaillé-Coll“ erklärt. Dieser Wettbewerb war von der französischen „Association d‘Aristide Cavaillé-Coll“ anlässlich des 200. Geburtstages des französischen Orgelbauers Cavaillé-Coll, aus dessen Werkstatt so bedeutende Instrumente wie u.a. in Notre-Dame, St. Sulpice, Ste. Clotilde in Paris oder St. Ouen in Rouen stammen, ausgeschrieben worden.

Diese Gesellschaft engagiert sich für die Erhaltung der berühmten Instrumente des wichtigsten Vertreters des romantischen Orgelbaues, der wie kein anderer die nachfolgenden Komponisten-Generationen – u.a. César Franck, Charles Marie Widor und Louis Vierne - beeinflusst hat. Manfred Meier-Appel reiste zur Preisübergabe nach Paris und stellte dort zusammen mit den anderen Preisträgern beim Festival der „Fondation Royaumont“ sein Werk live vor.

Auf Cavaillé-Coll darstellbar

Voraussetzung für die Teilnahme am Kompositions-Wettbewerb war ein Werk, das technisch und klanglich auf einer Cavaillé-Coll darstellbar sein sollte. Die internationale Jury hatte es nicht einfach: 55 Kompositionen aus 14 Ländern (auch aus Übersee) wurden eingesandt, um von einer international besetzten Jury – bestehend aus namhaften Organisten und Komponisten – anonym beurteilt zu werden.

Letztlich gewannen drei Werke „ex aequo“. Dass Meier-Appel sich für den Wettbewerb begeistern ließ, lag u.a. daran, dass „mich die Orgel-ÄsthetikAristide Cavaillé-Colls und die Musik, die in der Folgezeit entstanden ist, schon immer fasziniert hat“.

Franken gelten zwar als zugeknöpft, doch wenn Meier-Appel von den Orgeln des Mannes aus Montpellier spricht, gerät er ins Schwärmen: „Cavaillé-Coll war Wissenschaftler, Erfinder, Ingenieur, Mathematiker und hatte zugleich ein untrügliches, pragmatisches Gespür für Musik.“ Der orchestrale, symphonische, sehr weite und warme Klang im Einklang mit den enormen registrier-technischen und dynamischen Möglichkeiten, prägte die Musik der französischen Spätromantik, beeinflusste jedoch auch andere Orgelbauer weltweit – bis heute. Und so nahm Manfred Meier-Appel die Herausforderung an und verband das eigene Schaffen mit dem des Meisters aus Frankreich.

Ein Werk aus dem Hier und Jetzt

Dem nun ausgezeichneten viersätzigen Werk, der Suite pour orgue „Scènes Grégoriennes“, ist anzuhören, dass nicht nur handwerkliches und musikalisches Können, sondern auch Kreativität und Leidenschaft die Triebfedern waren. Die Suite von Manfred Meier-Appel ist zwar speziell auf die Stilistik des romantischen Orgel-Ideals des 1899 in Paris verstorbenen Orgelbauers zugeschnitten, trotzdem sind die vier Szenen zeitgemäße Musik: „Sie entstanden im Hier und Jetzt – meinen Antrieb finde ich in der Zeit, in der ich lebe...“, erklärt der Komponist. Dennoch finden sich nicht nur in den Anklängen an die Gregorianik, sondern auch in den frankophilen Einflüssen Meier-Appels vielfältige stilistische Bezüge. Wer sich auf die „Scènes Grégoriennes“ einlässt, hört eine innovative, aktuelle und - im positiven Sinn – zugängliche Musik.

Seinen Kompositionsstil beschreibt er als „rhetorisch, tiefenräumlich, strukturell komplex, aber dennoch frei, mit tonal stark erweiterten Klanglichkeiten“.

Dreiteiliges Prélude

Das dreiteilige „Prélude“ erklingt mit einer geradezu glasigen, abstrakten Schönheit, die sich zunehmend rhythmisch zentriert. Ein verspielter, scherzo-hafter Tanz, eine kühle, fremde aber sich nach einem kurzen, eruptiven Ausbruch wieder beruhigende „Air“ und das an den französischen Toccaten-Stil erinnernde „Final“ einen sich in den „Scènes Grégoriennes“ zu einem symphonischen, virtuosen Zyklus, der die Tradition eines Aristide Cavaillé-Coll in neuer Klanglichkeit wieder zum Leben erweckt.

Intelligente Virtuosität

SCHWARZENBRUCK – Nach Abschluss seines Kirchenmusikstudiums an der Musikhochschule Würzburg erlangte Manfred Meier-Appel (geb. 1968) in der Meisterklasse von Professor Günther Kaunzinger sowohl die technischen als auch gestalterischen Voraussetzungen, die großen Werke der Orgelliteratur stilgerecht zu interpretieren.

Während des anschließenden Kompositionsstudiums bei Professor Heinz Winbeck nahm er an zahlreichen Meisterkursen teil. Er war Stipendiat der internationalen Meisterkurse in Zürich bei Jean Guillou und gewann nationale und internationale Wettbewerbspreise. Regelmäßig tritt er in Rundfunk- und Fernsehsendungen auf, hat mehrere CDs eingespielt. 1996 bis 2007 war Manfred Meier-Appel Lehrbeauftragter für Orgel an der Musikhochschule Würzburg, ab 2001 auch für „Liturgisches Orgelspiel“ sowie „Allgemeine Mnemo-Techniken und ihre spezielle Anwendung in der Musik“, ein Fach, zu dem er weltweit die ersten Vorlesungen hielt. Seit 2007 lehrt Meier-Appel an der Musikhochschule Nürnberg „Praxisorientiertes Klavierspiel“ und „Allgemeine Mnemo-Techniken und ihre spezielle Anwendung in der Musik“.

In Paris erarbeitete er auch mit Naji Hakim dessen gesamtes Orgelwerk. Darüber hinaus hat er eine Vorliebe für qualitätvolle, selten gespielte Literatur. Er komponiert Werke in verschiedensten Besetzungen, von denen stellvertretend sein „Zauberspiegel“ für Blechblas-Ensemble, „id“ für 13 Solo-Streicher,die Orgelwerke „Acheron I („An den Fluss“) + II („Liberation“), die Heine-Lieder, die „Variations moléculaires“ für Klavier und seine Flöten-Sonate („Paysages imaginaires“) genannt seien. Stets überzeugt Meier-Appel durch seine außergewöhnlich intelligente Virtuosität im Spiel und begeistert mit seinen Improvisationen das Publikum: Hier wird Orgelmusik losgelöst von falsch verstandenem sakralen Mythos konsequent durchdacht und musikalisch gültig dargeboten.




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