Große Stimme und sizilianisches Temperament

SCHWARZENBRUCK – In Europa ist er schon viel herumgekommen, doch eigentlich ist er Sizilianer. Den Italiener sieht man ihm nicht unbedingt an, er wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar. Doch von der Bühne aus füllt er den ganzen Saal. Pippo Pollina, italienischer Liedermacher mit Wohnsitz in der Schweiz, war mit seinem Programm „Abitare il sogno – Über die Grenzen trägt uns ein Lied“ in der Bürgerhalle in Schwarzenbruck.
Begleitet wurde Pollina von Roberto Petroli, der mit Saxofon und Klarinette den Bläserpart übernahm. Pollina selbst griff zur Gitarre oder saß am Keyboard und – sang. Seine Stimme macht alles wett, was sein Aussehen zunächst vermissen lässt. Mal klagend, mal sanft und immer mit voller Inbrunst singt er seine Geschichte, die eines sizilianischen Jungen, der nicht nur musikalisch vieles wagt. 1979 gründet er seine erste Band, die „Agricantus“ und engagiert sich gegen die Mafia, die Cosa Nostra, die in seiner Heimat Palermo sehr präsent ist. Dafür arbeitet er bei der kritischen Zeitung „I Siciliani“ unter Chefredakteur Giuseppe Fava, der 1984 von der Mafia ermordet wird. Dessen Spitzname: Pippo.
In den darauffolgenden Jahren reist und spielt Pollina unter anderem in Österreich, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz, wo er schließlich in Zürich eine neue Heimat findet. Neben zahlreichen Konzerten und CD-Veröffentlichungen gibt es immer wieder neue musikalische Kooperationen, zum Beispiel mit Konstantin Wecker und zuletzt mit dem Jugend-Sinfonieorchester Zürich, über deren Zusammenarbeit der Dokumentarfilm „Zwei Inseln“ entstanden ist.
Anekdoten zum Schmunzeln
Das alles erfährt man fast nebenbei, teils aus den Liedern, wenn man des Italienischen mächtig ist, teils aus Erzählungen des Künstlers selbst, der einige Passagen aus seinem Buch vorliest. Die sind oft ungewöhnlich, manchmal zum Schmunzeln und immer hörenswert – vor allem wenn in Anekdoten die politische Färbung des eher links eingestellten Pippo herauszuhören ist, der zum Beispiel gerne einmal seiner Freude über den Abzug Berlusconis Ausdruck verleiht. Außerdem legt er großen Wert auf die richtige Aussprache seines Nachnamens, der auf der ersten Silbe betont wird.
Im schwungvollen Teil seines Programms kann es dann auch mal mitreißend werden, wozu der virtuose Roberto Petroli seinen Teil beiträgt. Und bei Klassikern wie „Bella Ciao“ oder „La vita é bella“ kommt auch der zurückhaltende Teil des Publikums zum Mitwippen.
Für das Auge werden zusätzlich auf der Videoleinwand im Bühnenhintergrund Ausschnitte aus Konzerten des jungen Pollina mit und ohne Band eingespielt, die als weitere Versatzstücke den Werdegang des 49-Jährigen zum Leben erwecken. Mit 50 will er dann eine kreative Pause machen – nach einem großen Geburtstagskonzert mit musikalischen Wegbegleitern in Zürich.
Julia Ruhnau


Anmerkung hinzufügen