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Kultur PZ
16.01.12 16:56 Uhr

Geigen zum runden Geburtstag

Von: Anne Stegmeier

Ferenc Babári und sein Salonorchester hatten sich die Rückersdorfer zum runden Geburtstag der Konzertreihe „Musik in Scheune und Kapelle“ in die Aula des Blindeninstituts geholt. Foto: Stegmeier
Ferenc Babári und sein Salonorchester hatten sich die Rückersdorfer zum runden Geburtstag der Konzertreihe „Musik in Scheune und Kapelle“ in die Aula des Blindeninstituts geholt. Foto: Stegmeier

Seit zehn Jahren treten Künstler aus der Region auf Rückersdorfer Bühnen auf. Anlass für ein weiteres Konzert aus der Reihe „Musik in Scheune und Kapelle“: Ferenc Babári und sein Salonorchester ernteten in der Aula des Blindeninstituts viel Applaus.

Einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Reihe gab Altbürgermeister Werner Pleyer. Er schilderte die Anfänge – von der Idee, den damals frisch renovierten, gemeindeeigenen Schmidtbauernhof als Bühne für Veranstaltungen zu nutzen, bis zum ersten Konzert, das allerdings ganz woanders stattfand. Wegen eines Wasserrohrbruchs sah man sich gezwungen, in die Behringersdorfer Kapelle auszuweichen.

Aus dieser Anfangszeit stammt auch der Titel „Musik in Scheune und Kapelle“. Pleyer dankte der Gemeinde, die hinter der Reihe steht, und vor allem Jürgen Harries. Der pensionierte Realschulrektor übernahm die künstlerische Leitung und kann mit Stolz auf zehn erfolgreiche Jahre zurückblicken. Auch die Nürnberger Kulturreferentin Julia Lehner sowie Landtagsabgeordnete Angelika Weikert gratulierten zum Jubiläum. 

Mit der feierlich-getragenen bis dramatischen Ouvertüre aus Franz von Suppés „Dichter und Bauer“ gelang den Musikern des Salonorchesters ein passender Auftaktzum Festabend. „Nur“ fünf Musiker zauberten den Klang eines ganzen Orchesters in den Raum. Der gebürtige Ungar Babári selbst übernahm die Moderation und gab Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Werken. Ob er Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“ oder „Wiener Blut“ von Johann Strauß ankündigte – zustimmendes Gemurmel und begeistertes Nicken im Publikum waren ihm sicher.

Das Besondere am Salonorchester ist, dass es Unterhaltungsmusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Ohrwürmer aus Operetten oder bekannte Melodien aus Opern spielt, und das auf höchstem musikalischem Niveau. Die Künstler sind als Mitglieder des Staatstheaters Nürnberg alle hochkarätige Orchestermusiker. Der Pianist Noorman Widjaja genießt vor allem als Dirigent internationales Renommee. Seine mühelos-perlenden Kadenzen am Konzertflügel tragen nicht zuletzt zum schwerelosen Flair des Salonorchesters bei. Dabei bringen die Künstler aber keineswegs ausschließlich leichte Kost zu Gehör.

Insbesondere im zweiten Teil, gewandet in ungarische Kostüme, boten sie spannungsreiche Kontraste. Die musikalische ungarische Seele mit dem traditionellen Csárdás stand hier im Mittelpunkt. Der traditionelle Tanz ist gekennzeichnet vom Nebeneinander von langsamen, getragenen Klängen, die unvermittelt abgelöst werden von wildem, manchmal sogar bedrohlichem Übermut. Typisch dafür der eingängige Csárdás von Vittorio Monti.

„So was von traurig“ dagegen wurde es mit der Zigeunerromanze „Trauriger Sonntag“. Doch das Cello, gespielt vom hervorragenden Rainer Bartke, war schmeichelnd und melodiös. Zwei ungarische Tänze von Brahms (Nr. 4 und 5) gehörten zu den Höhepunkten des Abends. Da war alles drin: ein eindringlicher, treibender Bass (Joachim Sevenitz), mitreißende Violinen (neben Babári an der zweiten Geige: Alexandru Duma) und gefühlvolle Klavierpassagen.

Mit dem Kabinettstückchen „Die Lerche“ von Dinicus und als Zugabe der berühmten „Juliska aus Budapest“ ging das spritzige und temperamentvolle Jubiläumskonzert unter großem Applaus für die Künstler zu Ende.Anne Stegmeier




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