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Kultur HZ
09.08.11 16:22 Uhr

Angela-Unser und Freiheit fürs Gras

redaktion(at)hersbrucker-zeitung.de

Alle auf der Bühne: Michael Jakob, Sage Dragon, Peter Landshuter, Loony Lorna, Eny 42, Sven Hörmann, Felix Kaden, Armin Neitzel und Martin Kunz (v. l.). Foto: C. Enhuber
Alle auf der Bühne: Michael Jakob, Sage Dragon, Peter Landshuter, Loony Lorna, Eny 42, Sven Hörmann, Felix Kaden, Armin Neitzel und Martin Kunz (v. l.). Foto: C. Enhuber

HERSBRUCK - Unterhaltung und Kultur auf sehr hohem Niveau war beim ersten Hersbrucker Poetry Slam geboten. Im Rahmen des Altstadtfestprogramms fand am Sonntagabend der regionale Dichterwettstreit am Schloss statt.

„Es ist eigentlich wie bei einer Pralinenschachtel, man weiß nie was man kriegt, wird aber immer überrascht“, sagt Michael Jakob zur Begrüßung.

Jakob, der normalerweiße selber bei Veranstaltungen wie fränkischen Meisterschaften dichtet, moderiert den ersten Hersbrucker Poetry Slam. Dabei handelt es sich um einen literarischen Vortragswettbewerb, der ursprünglich aus den USA stammt.

Wie bei Wettstreiten so üblich, gibt es auch beim Poetry Slam klare Regeln. So dürfen nur selbstverfasste Stücke in einem Zeitlimit von sechs Minuten und ohne fremde Hilfe vorgetragen werden. „Das Jonglieren mit lebenden oder auch mit toten Tieren ist heute strengstens untersagt“, scherzt Michael Jakob und gibt auch Anweisungen an das Publikum: „Respect the poets, also bitte keine Buhrufe und keine Gegenshow. Die Poeten dürfen die Bühne ruhig mit einem Fünkchen Würde verlassen, denn verhaltener Applaus ist Strafe genug.“ Charakteristisch für einen Poetry Slam ist nämlich, dass das Publikum durch Lautstärke und Länge des Applauses entscheidet, wer gewinnt.

Den Beginn macht Michael Jakob, der bekannte Slam-Guru aus Nürnberg, jedoch selbst. Mit seinem Liebesgeständnis an eine Tiefkühlpizza und ein Stück über den Sinn des Lebens, versucht er das Publikum auf einen niveauvollen Abend einzustimmen.

Mit Körpereinsatz, mitreisenden Texten und beeindruckenden Stimmen präsentieren sich dann auch die acht Hobbypoeten, die extra aus Erlangen, Neumarkt, Amberg oder Nürnberg angereist sind.

Immer im direkten Duell wird entschieden, wer ins Finale kommt und wer nicht. Eine Runde Schnick-Schnack-Schnuck am Beginn jeder Runde bestimmt die Reihenfolge. Der Verlierer fängt an. Musikalisch umrahmt wird das Ganze durch den Liedermacher Thomson, der mit Laptop, Mischpult, Gitarre und Gesang eine Mischung aus Elektronik und Pop produziert.

Jeder hat seine eigene Vortragsart. Und auch die Themen reichen von einer Seeräuberballade über Frauen bis hin zur Politik. So erzählt Peter Landshuter im tiefsten Fränkisch über Familienfeste und Loony Lorna in Englisch über den Mensch, der in die Natur eindringt.

Armin Neitzel poetisiert über Fukushima und weist uns mit seinem wiederkehrenden Spruch: „Man muss das positiv sehen“, eine strahlende Zukunft. Eny 42 trägt ein Gebet über die Regierung vor: das „Angela Merkel- und Wolfgang Schäubele-Unser“. Sven Hörmann lässt sich in seinem Monolog auf der Tanzfläche über die Männlichkeit des Mannes aus, und gewinnt dann sein Duell hauchzart, was gar nicht zu männlich passt. Mit Mimik und Gestik überzeugt auch Felix Kadens „Viva la revolution“, indem er fordert: „Gebt das Gras frei!“ und motiviert die Leute zum mitmachen. Der Fachmann Jakob klärt auf, dass man die Art und Weise des Vortrags einen „app“ nennt: audience participation poem.

Zum ersten Mal bei einem Poetry Slam mit dabei ist Martin Kunz, doch das merkt man dem Mann mit Krücken gar nicht an. Mit seinem Stück über den Sommer punktet er beim Publikum und landet einen historischen Sieg: „Lasst euch den Sommer schmecken - Prost!“Carina Enhuber




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