Kabarett in Dehnberg

Krebs „stoiberte“ durch das DHT

Poetry Slam á la Edmund Stoiber servierte Wolfgang Krebs im DHT.
Poetry Slam á la Edmund Stoiber servierte Wolfgang Krebs im DHT. | Foto: Krieger2016/03/wolfgang-krebs-stoiber.jpg

DEHNBERG — Aktuelle und ehemalige Spitzen der bayerischen Politik zu Gast in Dehnberg? Dem Ortsverein der Laufer CSU hätte das sicher gefallen. Aber es war dann doch „nur“ Kabarettist Wolfgang Krebs, der die Bühne des DHT zur Staatskanzlei erklärte und als drei Dings in Einem plus X transrabiat (pardon per Transrapid) durch den Freistaat raste.

Seine starke Rolle unter immerhin fünf bleibt in „Können Sie Bayern?“ Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, den, so lernt das Publikum gleich zu Beginn, zu imitieren angeblich gar nicht so schwer ist. Allerdings nur, wenn man Wolfgang Krebs ist und der Buchstabensalat des Polit-Poetry Slamers nach gut zweieinhalb Stunden am Ende wieder aufgeht.

Nimmt man Franz Josef Strauß aus, den Krebs Kollege Schleich posthum in Perfektion wiederbelebt hat, so ist die Dauerpräsenz, die der Kabarettist Edmund Stoiber auch neun Jahre nach dessen Abgang als bayerischer Ministerpräsident bis heute angedeihen lässt, durchaus ein Ritterschlag für den ehemaligen Spitzenpolitiker. Den hat er sich allerdings weniger durchs politische Würfe, als vielmehr durch eben jene sprachlichen Stabsprünge erworben, die Krebs zur Kunstform erhoben hat. Auch an diesem Abend, an dem die Wortversprecher nur so aus dem querulanten Double purzeln und die einzig klare Feststellung des Wolfratshauseners ist: „Sie wissen ja, wo ich wohne“.

Ministerpräsident Horst Seehofer schaut da angesichts so viel multidimensionaler Kommunikation seines Vorgängers fast ein bisschen blass aus. Nicht nur, weil er erst nach Stoiber vor den bayerischen Löwen treten darf, um als „helle Kerze in dunkler Nacht“ sein Personal ab zu watschen. Wer keine Position hat, kann sie auch nicht vertreten. „Weder konsequent, noch inkonsequent und schon gar nicht hin oder her“. Erst recht müde wirkt Günter Beckstein, der vor seiner Episode als Ministerpräsident mal ein harter Hund als bayerischer Innenminister war und nun seiner Marga im Reihenhäuschen Anektdötchen aus guten alten Zeiten vorliest. Die Nachhaltigkeit eines Politikerlebens manifestiert sich im Kabarett nunmal weniger an Themen, als an parodistischen Steilvorlagen.

Krebs als Polit-Rentner Günther Beckstein.
Krebs als Polit-Rentner Günther Beckstein. | Foto: Krieger2016/03/wolfgang-krebs-beckstein.jpg

Was ist also hängen geblieben von Stoiber, abgesehen vom Desaster mit der Hypo-Alpe-Adria? Seine Versprecher und natürlich der Transrapid. Den würde er gerne wiederbeleben, als „Individual-Schwebebahn für zwei bis fünf Personen“. Von Dehnberg ginge es damit in zehn Minuten ins Allgäu, wo CSU-Funktionär Schorschi Günter Beckstein mit einem super Wochenendhäuschen im noch zu planenden Seengebiet locken will. Blöd nur, dass die zwei Sozis im Ort immer so viel Ärger machen.

Da hilft nur Meggy Montana, der im Möbelhaus in Nesselwang die Hüften kreisen lässt und die Stimmung beim örtlichen Dauerbierfest ankurbelt, bis die Wahlen wieder vorüber sind. Wer in die Provinz reist, darf eben nie ganz traurig sein. Auch wenn die Rasenmäher in den Neubaugebieten schon längst die Spur H0 haben.

Doch die Rettung naht, und natürlich ist es Markus Söder, der „rhetorische Realitätsoptimierer“, der sie bringt. Auch wenn Wolfgang Krebs optisch nicht an seinen Kollegen Stephan Zinner herankommt, der Söder seit einigen Jahren auf dem Nockherberg imitiert, so gehört der lässige Auftritt des Finanzministers und in froher Erwartung noch höherer Weihen befindlichen Heimatministers zu den Höhepunkten des Abends.

Als oberster Finanzjongleur verspekuliert er im Dialog mit einem Zuschauer mal eben ohne jedes schlechte Gewissen einige Zigtausend seines Opfers, so ein Konto sei schließlich wie ein Rennpferd, „es muss bewegt werden“. Den Rückenwind liefert die Kanone am Auspuff des „Suff“ (SUV). Gegenwind hat der listige Franke, der viel zu schnell und zu souverän ist für den Rest des Freistaats, angesichts Personalmangels nicht zu befürchten.

Aber es gibt ja auch noch die Guten und Besonnenen, und so haben auch Angela Merkel (mit Hand-Raute) und Joachim Gauck, (die sprechende untere Zahnreihe) sowie Inge Meysel einen kurzen Auftritt, um das Volk vor dem Vorhang wieder zur Räson zu bringen. Am Ende winkt der Bayern-TÜV.

Das Publikum lacht an diesem Abend, den ein bestens aufgelegter und hochgradig professioneller Wolfgang Krebs mit seinen schrägen Parodien zu einem echten Highlight politischen Kabaretts macht, so viel, wie wohl schon lange nicht mehr und applaudiert am Ende minutenlang.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Andeutung von Krebs, möglicherweise in Zukunft nicht mehr so oft im BR zu sehen und zu hören sein, nicht zutrifft. Den nächsten Auftritt im DHT, ab Herbst ist er mit einem neuen Programm unterwegs, hat er jedenfalls schon zugesagt.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger
Carl Gross-The12tenors