„Mord im blauen Schloss“ von Agatha Christie im DHT

Ein Krimi-Hörspiel auf der Bühne

Die Darsteller von „Mord im blauen Schloss“ sind meist nur Sprecher und wirken wie eine A-cappella-Gruppe, wenn sie nicht gerade Geräusche wie Pferdegetrappel oder knarzende Türen nachmachen. | Foto: Kirchmayer2017/01/Mord-im-Blauen-Schloss-DHT-Vorschau-alle-um-Mikro.jpg

DEHNBERG — Raschelnde Kissen als Fußstapfen im Schnee, ein Ventilator als Auto: Das Dehnberger Hof Theater zeigt einen Krimi als Hörspiel. Und die fünf Schauspieler sprechen nicht nur verschiedene Rollen in Agatha Christies „Mord im blauen Schloss“, sie sorgen auch selbst für die Geräuschkulisse.

Es klingt zunächst reichlich experimentell, was Regisseur Thomas Klischke (DHT-Zuschauern durch „Ladykillers“ bekannt) und die Darsteller auf der Bühne veranstalten: Statt die Szenen des Kriminalro­mans „Mord im blauen Schloss“ zum Leben zu erwecken, stehen die fünf Schauspieler bloß mitten auf der Bühne um ein Mikrofon und wirken dabei auf den ersten Blick wie eine A-cappella-Gruppe. Doch sind alle hoch konzentriert bei der Sache: Nicht nur, weil alle mehrere Rollen sprechen. Auch nonverbal sind sie gefordert: Fährt etwa ein Zug, machen zwei Darsteller mithilfe ihrer Stimme die Geräuschkulisse nach, für das Hufgetrappel von Pferden sorgen Blumenkübel.

Inhaltlich geht es um ein verschneites Schloss auf einem Berg in Schottland. Zehn Menschen sitzen hier über ein Wochenende fest. Eingeladen wurden sie von einem Gastgeber, der längst tot ist. Ein Gast  nach dem anderen wird unter mysteriösen Umständen umgebracht. Bald ist jeder verdächtig, und eine Flucht ist unmöglich.

Der Krimi, so die ursprüngliche Idee von Theaterchef Ralf Weiß, soll in der Form eines Hörspiels präsentiert werden. Mit der Besonderheit, dass die Zuschauer sehen, wie die einzelnen Klänge entstehen. Sie werden also eingeführt in die Tätigkeiten eines Geräuschemachers. Dieser kaum bekannte Beruf war für Hörspiele im Radiozeitalter Mitte des 20. Jahrhunderts sehr gefragt. Aber auch für Filmszenen, die nachvertont werden, wird ein Geräuschemacher etwa für das Imitieren von Schritten gebraucht. Im DHT übernehmen die Schauspieler diese Tätigkeit.

„Es ist spannend, etwas zu machen, was man nie vorher gemacht hat“, sagt Arnd Rühlmann, im DHT nach wie vor auch als Charleys (falsche) Tante zu sehen. Das Entwickeln der Geräusche, herauszufinden, was wie klingt, mache großen Spaß.

Auch Regisseur Klischke findet Gefallen an den etwas anderen Proben. „Ich inszeniere kein Theaterstück, sondern orchestriere Sprecher“, sagt er über seine Rolle. Für die Geräusche wurden rund 200 Gegenstände zusammengetragen und ausprobiert. Zwar koste es viel Zeit, sich für die einfachsten Geräusche eine Umsetzung auf der Bühne auszudenken, aber die Darsteller seien kreativ und mit Spaß bei der Sache. „Zwei Wochen lang haben wir alle zusammen das unbekannte Wesen Hörspiel ergründet“, fasst der Regisseur die ersten Proben schmunzelnd zusammen. Die Herausforderung lag auch darin, dass für jedes Geräusch eine Alternative gefunden werden sollte. Für das Klicken eines Feuerzeugs wird also bewusst kein Feuerzeug benutzt, sondern eine Pistole. Den Zug an der Zigarette imitiert ein Duftsäckchen. Das stellt die Darsteller vor Herausforderungen, so Klischke: „Wenn bei uns eine Tür aufgeht, braucht man dafür drei Menschen“ – für den Klang des Scharniers, der Klinke und das Knarzen der Holztür auf dem Holzboden. Wie ein Orchester müssten die Darsteller funktionieren. „Das ist schwierig, aber spannend“, so der Regisseur.

DHT-Chef Ralf Weiß ist davon überzeugt, dass auch die Zuschauer Gefallen an dem etwas anderen Theaterstück finden werden. Das Live-Hörspiel erlaube einen Blick hinter die Kulissen von Radio- und Filmproduktionen: „Es ist witzig zu sehen, wie Geräusche hergestellt werden. Man muss anders zuhören und zuschauen. Aber man kann sich auch zurücklehnen, die Augen schließen und den Stimmen zuhören.“

„Mord im blauen Schloss“ feiert am 10. Februar Premiere. Bis Mai sind zunächst fünf weitere Aufführungen geplant.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer
Tag-des-Bieres