Neujahrskonzerte in der Geru-Halle

Das Spiel der Fahrradglocke

Die Fahrradglocke am Minifahrrad von Felix Krampf (Mitte) war perfekt auf das originelle Stück „The Happy Cyclist“ abgestimmt. | Foto: U. Scharrer2017/01/7845050.jpeg

HERSBRUCK – Weißes Hemd, schwarze Hose – und kunterbunte Sportschuhe: Die Musikanten der McPfeffs pfiffen in ihren zwei Neujahrskonzerten nicht nur auf Orchestermode-Diktate, sondern brachten auch das manchmal als etwas bieder verschriene Genre der Blasmusik auf den neuesten Stand. Das Akkordeonorchester testete mit eindrucksvollen und vielseitigen Instrumenten ein breites Klangvolumen aus. Die Stadtkapelle Hersbruck sorgte für Wahrung der Traditionen und das aus Kindern der Bläserklasse bestehende Vororchester zeigte, wer in Zukunft Ahnung vom Tuten und Blasen hat.

Sportstudio, Tanzsport, Boxsport und Fußball – entlang eines sehr an Bewegung orientierten Themas wählten die McPfeffs ihre Vortragsstücke aus und lieferten dabei dem agilen Moderator des Neujahrskonzertes, Stadtrat Götz Reichel, Steilvorlagen für seine pfiffigen Einführungen: Für „The Happy Cyclist“ von Ted Huggens rollte Reichel gar mit dem elektrischen Cityroller „Segway“ vor das Dirigentenpult – schließlich stand in der Partitur „Für Orchester, zwei Räder und eine Fahrradglocke“.

Dirigent Cornelius Liebster hatte allerdings bereits Felix Krampf geordert, der sitzend auf einem Miniaturdrahtesel vollkommen taktsicher die Klingeltöne zu der heiteren Komposition beisteuerte. Dies war nur einer von vielen Einsätzen Krampfs in diesem Konzert: Er spielte nicht nur sein Instrument in beiden großen Orchestern, sondern führte auch die Stadtmusik durch die zeitlosen Märsche und Egerländer

Heimatmelodien – der als „mitspielender Kapellmeister dem Spielertrainer im Fußball entspricht“, wie Götz Reichel witzelte. Dabei erwies sich die Stadtmusik als derart „eingespieltes“ Team, dass Krampf sich nur ab und zu erheben und einen Taktwechsel andeuten musste. Der Glücksbote fürs neue Jahr, der „Schornsteinfeger aus Eger“ und ein Medley der tschechischen Blaskapelle „Moravanka“ rundeten diesen Programmpunkt ab.

Erstmals präsentierten die Hersbrucker Orchester ihr Programm in der Geru-Halle und damit an dem Ort, mit dem sie verbunden sind. Auch wenn die Halle wegen ihrer großen Kapazität nicht ganz gefüllt war und man sich zumindest am Sonntagnachmittag statt heruntergelassener Vorhänge den Ausblick in die Winterlandschaft gewünscht hätte: akustisch hat die Halle ja bereits während des Gitarrenfestivals bewiesen, was sie kann.

Klanglich voluminös
Das Akkordeonorchester unter Leitung von Evelyn Borchardt füllte diesen Klangraum unverstärkt mit seinen nicht nur optisch, sondern auch klanglich voluminösen Instrumenten aus. Ein unterhaltsam gemischtes Repertoire, das zwischen Klassikweltstars wie Mozart und Rossini und Lokalmatadoren wie Alfred Götz als Komponisten fein abgestimmt war, wurde engagiert, bewegt und in enger Verbundenheit mit der Dirigentin dargeboten. Bekannt für ihre schwungvollen Medleys, nahmen sich die Akkordeonisten 2017 die Ohrwürmer der schwedischen Popgruppe Abba zwischen Tasten und Balg und hatten damit alle Stimmungsregister zwischen schwermütig, schmissig und swingend gezogen.

Am Sonntagnachmittag bildeten die jüngsten Bläser den heimlichen Höhepunkt des Programms: Entstanden aus einer Bläserklasse der Grundschule und verstärkt von einem jungen Schlagzeuger, lieferte das sogenannte „Vororchester“ eine freudige Interpretation von Kompositionen des zeitgenössischen niederländischen Komponisten Jacob de Haan ab.

Die Augen fest auf Vororchesterleiter Philipp Wild geheftet, zeigten die blutjungen Blechbläser, was sie in den vergangenen zwei Jahren gelernt haben. Dafür ernteten sie stehende Ovationen – auch wenn Götz Reichel dem Publikum erst vermitteln musste, dass dies zum „guten Ton“ gehört und den schönsten Lohn für die Jungbläser darstellt. Dieses Schuljahr ist keine Bläserklasse zustande gekommen – was hoffentlich wieder geändert werden kann. Eine Stunde Unterricht pro Woche ist eine kleine Investition für ein so lohnendes und gemeinschaftsförderndes Unternehmen.

Die gute Stimmung, die die Kleinen erzeugt hatten, blieb. Während des hinreißenden Beach-Boys-Medleys der McPfeffs (Surfsport), während des schmissigen „Up to Date“ von Max Greger (Erkennungsmelodie des Aktuellen Sportstudios) und während der abwechselnd traurigen und triumphierenden Melodien aus dem „Rocky“-Musical (Boxsport). Die letzte sportliche Leistung lieferten große und kleine Bläser gemeinsam ab: nach einer fast schon spontan zu nennenden kurzen Probenzeit bliesen Erwachsene und Kinder das Schlusslied miteinander.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer
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