Burgthanner fotografiert seit 30 Jahren Masken in Venedig

Chronist des venezianischen Karnevals

Die große Versammlung der Masken vor der Kirche Santa Maria della Salute. | Foto: Bähr2017/02/Burgthann-Baehr.jpg

BURGTHANN – Jedes Jahr zur Faschingszeit packt Heinrich Maria Bähr sein Fotoequipment und macht sich auf den Weg gen Süden. Nicht weil er dem Faschingstrubel hierzulande entfliehen will, sondern weil ihn ein anderes närrisches Treiben weit mehr anzieht: Der venezianische Karneval. Seit 30 Jahren dokumentiert der Burgthanner Fotograf geheimnisvolle Unbekannte in kunstvollen Kostümen. Immer mit im Bild: Die prächtige Lagunenstadt.

San Giorgio Maggiore, Insel in der Lagune von Venedig, das Licht der untergehenden Abendsonne spiegelt sich im Wasser, Basilika und Benediktinerkloster leuchten noch einmal auf bevor sie im Dunkel der Nacht verschwinden. Am Kai steht eine prunkvoll gekleidete Dame mit rotem Kopfputz. Ihr Bild spiegelt sich in einer Pfütze auf dem alten Pflaster. Eine goldene Maske versteckt die Mimik der Fremden, ihr Gesicht verrät nichts. Ihre Augen aber funkeln. Sie sieht direkt in die Kamera.

Autodidaktisch geschulter Blick

Die Fotografie der roten Dame vor San Giorgio ist typisch für den Burgthanner Hobbyfotografen Heinrich Maria Bär. Seine erste Aufnahme machte er mit 14 Jahren, heute ist er 83 Jahre alt. Autodidaktisch erarbeitete er sich breite fotografische Kenntnisse und schulte seinen Blick. Im Karneval will er diesen gespiegelt sehen, in den Augen seines Gegenübers. Neben den Maskierten rückt er immer auch die Stadt ins Bild. Seine Fotografien sind keine Nahaufnahmen der Narren, sie wahren Distanz. Trotzdem entsteht eine Nähe zwischen Betrachter und Betrachtetem: Es sind die Augen, die auf Bährs Fotografien stets hinter den Masken zu sehen sind.


Maskierter mit Mut zu Muster und Farbe.
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Bevor Bähr den Karneval entdeckte führten ihn viele Reisen in ferne Länder: Auf den südamerikanischen Kontinent, nach Marokko oder auf den Balkan. Auch die toskanische Landschaft zog ihn an. Dann schwärmte in einem Volkshochschulkurs ein anderer Teilnehmer von Venedig zu „fünften Jahreszeit“. Mittlerweile ist Bähr ein Insider im Kreis der Karnevalsfotografen, mittlerweile bekommt er eine Einladung von Wolfgang Flick. Der Gymnasiallehrer aus Oberhausen verschickt alljährlich etwa 200 Briefe. In ihnen ruft er zu einer Art Flashmob auf. Auch dieses Jahr: Zu einer festen Uhrzeit am Vormittag des 23. Februar werden sich unzählige Masken und eingeweihte Fotografen für ein Gruppenbild auf der Treppe vor der Kirche Santa Maria della Salute versammeln.

Mehrere tausend Euro teuer

Auch den Nürnberger Johann Sobol und Bähr verbindet eine lange Zusammenarbeit. Der Physiotherapeut liebt es, sich zu verkleiden. Sobol fährt seit 20 Jahren nach Venedig und lässt sich, jedes Jahr aufs Neue, ein mehrere tausend Euro teures Kostüm von einer Berliner Kostümbildnerin anfertigen. Nicht nur in Italien treffen sich die beiden. Auch in Franken. Hier sorgt der kostümierte Sobol für venezianisches Flair in Bährs Ausstellungen. 2014 etwa war er in Nürnberg dabei, als die Museen der Stadt und das Amt für Internationale Beziehungen Venedig zum Motto hatten, und Bährs Fotografien mit im Programm.

Spiel mit Licht und Schatten, mit Zeigen und Vergeben.2017/02/Burgthann-Baehr2.jpg

 

Etwa 60 Ausstellungen hat der Burgthanner mit seinem venezianischen Sujet bestritten. Natürlich fährt er auch heuer wieder zum Karneval nach Venedig, die Leica im Gepäck, seine Frau an seiner Seite, die auf die teuren Objekte und Blitze aufpasst, während ihr Mann fotografiert. Aber auch ein neues Projekt wartet auf den Burgthanner: Ein Jahr lang möchte er einen Schäfer und seine Herde im Schwarzachtal begleiten und dokumentieren.

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