Harte Beats und ehrlicher Blues im Brauhaus

Blues-Rock der feinen Art

Wer am Samstag ins Brauhaus gekommen war, bekam von Van Bluus beste Blues-Rock-Tradition serviert – mitreißend-lebendig und aus einem Guss.
Wer am Samstag ins Brauhaus gekommen war, bekam von Van Bluus beste Blues-Rock-Tradition serviert – mitreißend-lebendig und aus einem Guss. | Foto: Spieß2016/02/db-altdorfvanbluus.jpg

ALTDORF – Im Brauhaus gab es am Samstagabend ein regionales Blues-Schmankerl zu hören, denn die fünfköpfige Formation Van Bluus lieferte genau das ab, was ihre Fans erwartet hatten.

Zuvor allerdings gab es mit Tom Fool – jetzt in etwas anderer Besetzung und ohne den Zusatz „& the black Jesus“ – mächtig was auf die Ohren: Der Mann mit seinen Beziehungskisten und seine drei Musiker erinnerten stark an Deep Purple – allerdings nicht an die melodiöse Child-in-time-Variante – und Golden Earring.

Die 60er- und 70er Jahre-Sounds waren natürlich nichts für audiophile Musikästheten, und ohne mehrere harte Getränke intus wirkten sie dann auch etwas hölzern-befremdlich und bemüht. Dafür sorgten leider auch die übertriebene Lautstärke und ein permanent dröhnender Bass.

Das Gleiche galt dann auch für The Shadow Lizzards, die drei jungen Musiker, die erst seit drei Monaten zusammenspielen. Ihre Eigenkompositionen, die ebenfalls auf die 60er- und 70er Jahre als musikalische Basis zurückgreifen, zeigten sich etwas variantenreicher, am Ende ließ dann sogar Santana grüßen. Aber auch ihr Dark-Rock drohte, bei längerem Hören mittelschwere Depressionen auszulösen – von Ohrenschmerzen einmal abgesehen.

Aber vielleicht ist das alles ja auch eine Frage des Alters …

„All in the name of love”

Keine Altersfrage hingegen stellte sich dann bei Van Bluus. Denn die vier Musiker Lothar Kalau, Gitarre, Clemens Hoga, Keyboard und Gitarre, Frank-Michael Müller, Bass, und Armin Pojda, Schlagzeug, und Sänger Horst Spandler stehen da weit drüber. Wie stets, lieferten sie eine sehr abwechslungsreiche Mixtur aus eigenen Stücken und mehr oder weniger bekannten Nummern aus der weiten Welt des Blues-Rock, von Muddy-Waters-Nummern über Italo-Blues bis zu Willie Dixon und Roger Chapman. Sänger Horst Spandler zeigte sich bestens aufgelegt, röhrte in bewährter Blues-Rock-Manier, zeigte wunderbar emotional gebrochenen Sprechgesang und bewies ebenso überzeugend, dass eindringlicher, ehrlicher Blues auch mit leiseren Tönen bestens ankommt – trotz leider zu viel Hall von der Technik.

Optimales Pendant

Und der technisch versierte Gitarrist Kalau entpuppte sich wieder einmal als optimales Pendant: Der kann ebenso heftig-verzerrt, wie auch wunderschön dezent und melodisch-filigran. Das gilt eigentlich für alle Van-Bluus-Musiker, denn Bassist Müller und Schlagzeuger Pojda, die mächtig anschoben, überraschten immer wieder sehr positiv mit nuancierter Zurückhaltung – eine besondere Auszeichnung für Rhythmus-Musiker.

Als ganz spezielles Kaliber erwies sich einmal mehr Clemens Hoga, der Mann an den Tasten.

Nicht nur, dass er diese bei seinen Soli bediente, als sei ihm der Teufel auf den Versen, er schenkte mit seiner Hammond ab und an ganz besondere Erinnerungen an frühere Zeiten … Und Gitarre spielte das „Tier“ (O-Ton Spandler) nicht nur mit den Händen, er kann das auch noch mit der Monitor-Box und tatsächlich mit seinem Bauch.

Zwei Stücke sollten noch besonders erwähnt werden: Der Titelsong „White boy blue“, die Hymne an die alten Bluessänger, die immer wieder auch mit ihrem magischen Schluss beeindruckt, und „Vision on a subway“. Hätte das etwa Billy Joel geschrieben, dann wäre es mit Sicherheit ein Welt-Hit geworden. Das wurde das Van-Bluus-Stück leider nicht, ist aber immerhin in die aktuelle CD-Anthologie „Franken-Herz“ aufgenommen worden, die die besten Rock-Bands und -Musiker der Region versammelt. Verdient haben sie es, die Mannen von Van Bluus.

Der nächste Auftritt der Combo in der Region steht schon bald an: Zusammen mit der jungen Alternative Rockband Frozen Image sind die Fünf am Samstag, 13. Februar, im Kulturstadel in Lauterhofen ab 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) zu erleben.

 

N-Land Erich W. Spieß
Erich W. Spieß