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17.08.12 16:09 Uhr
Sommerserie (5): Familie Pitsch am Nordkap

Ruhe in der Heimat der Rentiere

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Der Stortorget (Rathausplatz) in Malmö begeisterte das Ehepaar mit schönen Häusern und Sonnenschein. Foto: privat
Der Stortorget (Rathausplatz) in Malmö begeisterte das Ehepaar mit schönen Häusern und Sonnenschein. Foto: privat

Urlaubszeit ist Reisezeit. Wo es unsere Leser so überall hinzieht, zeigen wir immer mittwochs und samstags in der Sommerserie. Heute geht es mit Beate und Gottlieb Pitsch aus Reichenschwand in den hohen Norden, genauer gesagt zum Nordkap in Norwegen.

REICHENSCHWAND / SKANDINAVIEN - Dreimal waren sie schon in Skandinavien, zum zweiten Mal hintereinander nun am Nordkap. „Wir haben auf besseres Wetter gehofft als letztes Jahr“, erzählt Beate Pitsch. Und außerdem führte die Route diesmal über Schweden: „Da waren wir bisher noch nicht.“ Denn bei dieser Fahrt war „der Weg das Ziel“, ergänzt Ehemann Gottlieb. Die beiden waren nämlich mit einer Reisegesellschaft mit Bus und Fähre unterwegs.

Das Programm war durchorganisiert, einfach mal halten, wo es einem gefällt, nicht drin. „Man kommt so auch kaum in Kontakt mit Einheimischen“, muss Beate eingestehen. Aber es sei angenehm zu reisen, weil man sich um nichts kümmern müsse und man „sieht viel“. Bei 500 bis 600 durchaus „anstrengenden“ Kilometern am Tag kein Wunder: Von Nürnberg führte die Fahrt über Warnemünde und Trelleborg, Malmö und durch Südschweden nach Stockholm. Mit der Fähre haben Gruppe und Bus nachts nach Turku in Finnland übergesetzt, bevor es an der Küste des bottnischen Meerbusens gen Norden ging.

Während die beiden die Route rekapitulieren, wandern die Finger auf den Karten mit den Streckenmarkierungen der Reise entlang: Rovaniemi, Lappland, Inari-See, Nordkap... Sie waren dank einigen Reiseführern und Fernsehbeiträgen perfekt vorbereitet. Nun hat Beate alle Erlebnisse und Besichtigungen fein säuberlich aufgeschrieben: „Das macht irgendwie Spaß!“ Immer wieder blättert sie beim Erzählen in den Notizen. „So nehmen wir ein Stück Urlaub mit heim.“ Die Rückreise traten sie dann über Finnland an, fuhren am Grenzfluss zu Schweden, Tornionjoki, Richtung Süden und über Umea, Sundsvall und Malmö wieder in die Heimat: 6500 Kilometer an elf Tagen war es insgesamt und da ließen sich viele Eindrücke sammeln.

Vor allem die Natur hat die Hobbygärtner fasziniert. „Was bei uns im Juni schon verblüht war, fing da erst an, wie Flieder und Tulpen“, sagt Beate ganz begeistert. Auch die Vielfalt der Landschaft hat es den Reichenschwandern angetan, die von Birkenwäldern im Süden über reißende Stromschnellen bis zu „verkrüppelten“, kaum angetriebenen Sträuchern am Nordkap reicht. „Das ist absolut schön“, findet Gottlieb. Beeindruckt haben die beiden auch der Schärengarten vor Stockholm („Wir sind in einem großen Pott ganz nah an einigen der 24.000 Inselchen vorbeigefahren.“) und Einsamkeit und Weite.

„In rund einer Stunde auf der Straße ist uns kaum ein Auto begegnet“ - dafür das ein oder andere Rentier: „Die bremsen einen scho her.“ Ansonsten hatten die langen Touren etwas Beruhigendes, „mal keine hektische, laute Welt“, aber eine sehr helle. Denn zu dieser Jahreszeit ist es in Skandinavien nachts taghell. „Das ist scho komisch.“ Ohne Uhr wären Beate und Gottlieb aufgeschmissen gewesen.

Ein Gegensatz zum Dahintuckern in der Weite des Landes waren die belebten, „hübschen“ Städte Stockholm und Malmö sowie Turku. Dort wird finnisch und schwedisch gesprochen. Richtig touristisch wurde es dann beim Weihnachtsmann am Polarkreis: In einem kleinen Laden-Dorf konnten sich die Besucher mit Lappen „in Tracht und mit Plunder“ fotografieren lassen. Richtig „süß“ dagegen erschien dem Ehepaar das Postamt. Hier hat Beate am Kamin und unterm Christbaum auch gleich eine Karte an die Tochter geschrieben. Diese wurde zum Verschicken in ein großes Regal mit Fächern für alle Länder dieser Welt einsortiert.

Der Umkehr- und Höhepunkt der Reise war aber das Nordkap. In einem sieben Kilometer langen Tunnel rund 212 Meter unter dem Meer rollte der Bus auf das Schieferplateau vor Norwegens Küste zu. Obwohl es nicht der nördlichste Punkt Europas ist, ist das Kap ein beliebtes Touristenziel, was sich in einem großen Parkplatz und Nordkaphalle mit Andenkenshop, Bar und Kapelle manifestiert.

Und was sieht man sonst? „Ja nicht viel, das ist ja das Blöde“, grummelt Beate: Wieder herrschte eine kalte und windige Nebelsuppe um den riesigen Stahlglobus, der auf einer Klippe 300 Meter über dem Eismeer steht. Die beiden sind enttäuscht, dass sie das Kap nicht doch so wie auf den Bildern in ihren Reiseführern gesehen haben: ein hoher Punkt mit freiem Blick über das endlose Wasser.

Ihr Busfahrer war 12 Mal dort, zwei Mal hatte er besseres Wetter. Für Beate und Gottlieb wird das ein Traum bleiben. „Da wollen wir nimmer hin.“ Aber an Skandinavien haben sie dennoch ihr Herz verloren, eine Fjordtour wäre reizvoll.

Andrea Pitsch

Bildergalerie auf www.n-land.de/bilder

Am Mittwoch geht es zum Trekking nach Norwegen.




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