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26.01.12 16:26 Uhr

Schlecker-Insolvenz trifft auch Nürnberger Land

Von: Tina Chemnitz

Die Schlecker-Filiale in Rückersdorf soll im Februar geschlossen werden. Das stand schon vor der Insolvenz fest. Gerade die Läden im ländlichen Bereich sind besonders gefährdet, weil hier weniger Umsatz generiert wird. Foto: Chemnitz
Die Schlecker-Filiale in Rückersdorf soll im Februar geschlossen werden. Das stand schon vor der Insolvenz fest. Gerade die Läden im ländlichen Bereich sind besonders gefährdet, weil hier weniger Umsatz generiert wird. Foto: Chemnitz

NÜRNBERGER LAND — Die Verunsicherung über die Zukunft der insolventen Drogeriekette „Schlecker“ ist auch bei den Mitarbeitern und Kunden der 15 Märkte im Nürnberger Land groß. Wie geht es jetzt weiter? Welche Filialen werden geschlossen? Fragen, auf die das Unternehmen bisher eine Antwort schuldig bleibt.

Bereits im Dezember hatte Schlecker seinen Mitarbeitern mitgeteilt, dass die Filialen in Rückersdorf und in der Schnaittacher Bahnhofstraße im Februar geschlossen werden. Doch ein Schild, das die Kunden darauf hinweist, sucht man in Rückersdorf vergebens. Auch die Pressestelle von Schlecker will die Schließungen nicht bestätigen. Auf Nachfrage der PZ heißt es, durch den Insolvenzantrag sei wieder alles offen. „Es ist noch unklar, ob die Schließungen so weiterlaufen, wie geplant“, sagt Phillip Kübber von der Pressestelle.

Ansonsten schweigt sich Schlecker aus und verweist auf das laufende Verfahren. Was einzelne Läden angehe, gebe es keine Auskunft. Auch nicht darüber, wie viele Filialen es im Nürnberger Land überhaupt gibt. Auf der Internetseite von Schlecker landet der User bei der Filialsuche auf dem Portal „YellowMap“. Dort finden sich 15 eingetragene Märkte im Landkreis, neun davon im PZ-Gebiet. Ob diese Liste aktuell ist? Auch das kann der Pressesprecher nicht beantworten.

Vor allem diese Ungewissheit ist es, die Birgit Netter in den vergangenen Tagen unruhige Nächte verschafft hat. Die 49-Jährige ist seit der Gründung vor 14 Jahren Vorsitzende des Schlecker-Betriebsrats im Bezirk Auerbach, der von der Oberpfalz bis Mögeldorf reicht und zu dem rund 30 Filialen mit 75 bis 85 Mitarbeitern gehören. In ihrem Büro über der Filiale am Friedensplatz in Lauf kümmert sie sich normalerweise um Dinge wie Arbeits- und Gesundheitsschutz, die Einsätze der Springer oder die Arbeitszeiten der Mitarbeiter.

Ein paar tröstende Worte

Doch seit vergangenem Freitag ist nichts mehr normal. Seit die Nachricht über die Insolvenz bekannt wurde und sich, laut Netter, „wie eine Schockwelle“ in der Arbeiterschaft ausbreitete. Seitdem sind diese Aufgaben in den Hintergrund gerückt. „Das Telefon steht nicht mehr still.“ Die Kolleginnen (Schlecker beschäftigt ausschließlich Frauen im Verkauf) sind verunsichert. Sie rufen an und möchten wissen, wie es weitergeht, oder einfach ein paar tröstende Worte hören.

„Kriege ich mein Geld? Was passiert, wenn meine Filiale schließt? Wie läuft eine Insolvenz ab?“, solche Fragen hat die Betriebsrätin zuletzt oft gehört. Auf einige kann sie Antwort geben, auf andere nicht. „Wir Betriebsräte wissen auch nicht, was jetzt passiert. Auch für uns ist diese Situation neu“, sagt sie. „Ich muss jetzt vor allem positiv denken und den anderen Mut machen.“

Ganz überraschend ist diese Entwicklung für Netter nicht. Seit Monaten wurden immer mehr Läden geschlossen, das Personal aber blieb. Jetzt ist klar: Schlecker konnte die Abfindungen nicht zahlen, die bei einer betriebsbedingten Kündigung laut Tarifvertrag fällig wären. Stattdessen wurden die Verkäuferinnen auf andere Filialen verteilt, die jetzt sogar überbesetzt sind. „Dass das auf Dauer zum Ruin führt, war ja klar. Aber dass es so schnell geht, hat keiner gedacht“, sagt Netter.

Ihre Enttäuschung über die Art und Weise, wie die Mitarbeiter von der Insolvenz erfuhren, ist der Betriebsrätin deutlich anzumerken. Sie selbst hatte am Freitag frei und war zu Hause, als eine Kollegin anrief und bat, den Fernseher anzuschalten. Über die Medien darüber informiert zu werden, dass der eigene Arbeitgeber pleite ist, „das war wie ein Schlag ins Gesicht“, erinnert sie sich. Es sei zwar zeitgleich mit der Pressemeldung ein Rundschreiben an die Filialen herausgegangen, „aber es wäre schon schön gewesen, wenigstens einen Tag vorher Bescheid zu wissen“. Einige Kolleginnen hatten die Nachricht von Kunden erfahren, die in den Markt kamen und fragten: „Wissen Sie schon? Ihr Arbeitgeber ist pleite.“

Netter setzt sich seit Jahren gegen den oft kritisierten Umgang mit dem Personal ein. Ihre einzige persönliche Begegnung mit Chef Anton Schlecker endete 2009 sogar vor Gericht. Schlecker war damals in eine Betriebsratssitzung in Lauf hineingeplatzt. Die Situation eskalierte und Schlecker beschimpfte Netter als „blöde Kuh“. Am Ende einigte man sich darauf, dass der Chef als Wiedergutmachung insgesamt 10 000 Euro an Krebsstationen in Krankenhäusern in Nürnberg und Erlangen zahlt.

Angst vor Entlassungen

Den ersten Schock nach der Insolvenz-Meldung hätten die meisten inzwischen verdaut, nun mache sich die Angst breit, berichtet Netter. Vor allem bei älteren Kolleginnen, die zum Teil zehn, 15 oder 20 Jahre im Betrieb sind. „Für diese Frauen ist Schlecker wie ein zweites Zuhause. Sie befürchten, dass sie entlassen werden und keine Stelle mehr finden.“ Schlimm ist die Situation auch für alleinerziehende Mütter. „Da sind Schicksale dabei, die mir wirklich nahegehen“, sagt Netter. Viel Zeit, über ihre eigene Situation nachzudenken, bleibe nicht.

Immerhin gestern dann die Meldung, dass der Insolvenzverwalter eine Einigung mit dem Handelsunternehmen Markant erreicht hat, das die Schlecker-Filialen mit Waren versorgt. Die Lieferungen rollen also wieder an. „Dann kann wenigstens der normale Betrieb weitergehen“, sagt Netter. Das war in den vergangenen Wochen zunehmend ein Problem. Kunden hatten sich über das ausgedünnte Sortiment beschwert.

Die Einigung mit Markant kann aber nur ein Schritt auf einem langen Weg für Schlecker sein, glaubt Netter. Sie hofft, dass bald mehr Informationen bekannt werden und Schlecker in Zukunft offener umgeht mit den Arbeitnehmervertretern und den Mitarbeitern. Ihr größter Wunsch: „Dass möglichst viele Arbeitsplätze und Filialen erhalten bleiben und dass die Kolleginnen, die gehen müssen, schnell etwas Neues finden.“




Kommentare

Alex Wenisch, Dormitz, 01.03.2012 10:59:
Ich freue mich,das der Laden den Bach runter geht. Wer braucht schon solch einen billig Misst. Der Direktvertrieb und Networkmarketing wird sich einen großen Anteil vom Markt auf dem Lande sichern. Qualität zahlt sich immer aus. Auch wenn sie etwas teurer ist.Schickt mir die Adressen von entlassenen Damen. Die können bei mir in meinem Vertriebsunternehmen anfangen.
MfG Alex Wenisch
Schorsch Huber, Lauf, 30.01.2012 11:32:
Herr Svenn Held,
servus.
Ich kenne ja genügent Firmenbosse.
Da müsste ja der Herr Schlecker der dümmste darunter sein.
Denn sein Geld ist schon im trockenen.
Mir auch egal. Ich denke halt mal an die Mitarbeiter.
Ich kenn da auch einige, meist Ossis.
Sollte es Schlecker nicht mehr geben ist es genauso wie es Grundig, AEG, Schickedanz oder andere Firmen die es nicht mehr gibt ist, es eigentlich nebensächlich.
Die haben alle Ihr Kohle schon auf die Seite geschafft.
Ach ja noch eins mein Freund auch ein Boss hat noch schnell einen Geschäftsführer eingestellt. Der hatte null Ahnung. Der haftete dann mit seinem Privatvermögen weil der
die Insolvenz nicht erkannte.
Kann ich ja auch so auslegen und dann biste aus dem Schneider un brauchst nicht mehr haften.
Bin zwar kein Anwalt, aber ich kenn solche Machenschaften und schüttel mein von DM Markt gefärbtes Haupt.
Jou werkli
Mittelbold übrigetns, da stehen die Mädels drauf.
Sven Held, Hamburg, 30.01.2012 11:11:
Lieber Schorsch Huber,
wenn das alles so einbach Wäre. Die Firma Schlecker ist ein e.K. und damit eine Einzelfirma. Das bedeutet haftungsrechtlich, dass Herr Anton Schlecker mit seinem ganzen(!) Vermögen haftet. Völlig egal ist dabei, wer gerade die Geschäftsführung hat. Außerdem werden die Banken und die restlichen Gläubiger den Anton Schlecker nicht aus der Haftung entlassen. Eine Auffanggesellschaft mit dem Eigentümer Anton Schlecker ist also fast ausgeschlossen. Und seine Frau oder die Kinder werden von den Banken ebenfalls nicht das notwendige Kapital bekommen, weil Sie nicht die notwendige kaufmännische Erfahrung und vor allen Dingen keine Sicherheiten (Basel III) für die Kredite haben (die Sicherheiten hat der Papa doch bereits in der Insolvenz verwerten müssen). Das Rating ist daher so schlecht, dass die neue Firma auch von keinem Lieferanten beliefert würde, denn keine Kreditversicherung würde die Lieferungen versichern. Kurz: wenn der Insolvenzplan nicht aufgeht, d.h. die Fa. Schlecker nicht weitergeführt werden kann und zerschlagen wird, bleibt der Familie Schlecker (in Gegensatz zu z.B. Frau Schickedanz) nichts... Das angeblich so große Milliardenvermögen des Herrn Schlecker besteht aus der Firma, seinen Geschäften usw. Das ist kein Bankguthaben. Und wenn die Geschäfte (die Firma) weg sind, dann sind auch die "Milliarden" weg.
Soviel mal zu den Märchen und Phantastereien, die hier aus Unwissenheit und teilweise aus politischem Interesse herumgeistern.
Kunde N-Land, N-Land, 29.01.2012 16:43:
Zugute halten muss man Schlecker, dass die Kette auch in kleinen Ortschaften präsent war. Das kostet Geld - ist aber kundenfreundlich. Ansonsten ist die Schlecker-Insolvenz ein schönes Beispiel dafür, wie "Marktwirtschaft" eben NICHT nachhaltig funktioniert. Erst machen Konzerne die kleinen Geschäfte innerhalb der Branche platt (hier: die ehemaligen Drogerie-Fachgeschäfte). Dann die eigene Mitarbeiterschaft. Und schliesslich macht man auf insolvent, damit alle anderen an den finanziellen Folgen beteiligt werden. NUR: Das würde alles nicht passieren, würde der Bürger, der angeblich "mündige Verbraucher", solche Lokalitäten von vornherein meiden. Aber Geiz bleibt geil - und frisst Hirn. Fortsetzung folgt - weil "lernen aus Fehlern" ist NICHT des Deutschen Stärke ...
Reinhold Drummer, Schnaittach, 27.01.2012 19:45:
Arbeitslos durch Banken

Arbeitslos durch Banken; kein Mensch spinnt den Gedanken
doch konnte ich das vor 20 Jahren; an meinen eigenen Leib erfahren.
Vor Wochen musste ich es wieder lesen; das ist kein Einzelfall gewesen.
Für alle Arbeiter in den Betrieben; sind diese Zeilen nun geschrieben.
Sollte folgendes in der Firma geschehen; ist die Arbeitslosigkeit schon abzusehen.
Wenn man mitten unter der Woche sauber putzen muss;
dann habt ihr ihn schon im Haus, den größten Verdruss.
Kurz vor Mittag wird es meistens sein; laufen in den Hallen seltsame Gestalten ein,
mit Nadelstreifen und passender Krawatte; stehen so zirka 20 Herren auf der Matte.
Die sich schnell mal im vorübergehen; die ganze Firma genau besehen,
am nächsten Tag kannst du in der Zeitung lesen; ein Bankenkonsortium sei hier gewesen.
In den nächsten Wochen meldet sich dann; eine teurere Unternehmensberatung an,
laufen diese, von den Banken geforderten Herren durch die Hallen;
sind für deinen Betrieb bereits alle Würfel gefallen.
In der Presse ist das zwar anders zu lesen; doch ich erinnere mich, als wär`s gestern gewesen.
Von einer Elefantenhochzeit wurde da noch geschrieben;
doch nur ein Betrieb und Arbeitslose sind übrig geblieben.
Zwei Große die sich zusammen tun; auch das stand in der Zeitung nun,
spätestens nach solchen Meldungen kannst du sicher sein;
in den nächsten Monaten geht diese Firma ein.
Die Banken erfüllten ihren Zweck; die leidige Konkurrenz ist weg,
dass sie dabei Arbeitslose produzieren; scheinen diese Herren zu ignorieren.
Doch nun werden sie vorerst einmal ruh`n; bis sich zwei noch größere zusammen tun.
Dann geht der Stellenabbau weiter; leider!
Schorsch Huber, Lauf, 27.01.2012 12:26:
Liebe Franziska,
das Konzept ist aufgegangen. Kleine Drogeriemärkte hat der Schlechker gefressen.
Der war halt knallhart.
Die Arbeitnehmer die für den arbeiten waren arme Schw...
Was macht er, nun ja Konzept geht auf, die Übertragung an die Kinder. Somit muss er nicht mehr seinem Privatvermögen haften.
Ich habs ja schon mal geschrieben, die Kinder (Geschäftsführer) haben keine Kohle und können auch nicht haften mit Ihrem Privatvermögen.
Somit gründet der alte eine Auffangsgeselschaft und kauft des Gschlamp zurück.
Dann gehst wieder nei zum Schlecker und kaufst weiter ein.
Ist ganz einfach.
Mei, der Herr Franzen und der Herr h würde mich wieder zu Teufel schicken ween ich mei Gschmarri hier so schreib.
Aber ich kauf mei Haarfarbe vom DM Markt, Mittelblond.
Kostet 2,99.
So einen Huber Schorsch in grau mag ich nett.
Meinst da schauen mich die Mädels von der Shell noch an?
Gwiss nett.
Jou werkli
Joachim Schmidt, Rollhofen, 27.01.2012 12:23:
Tut mir leid für alle Mitarbeiter von Schlecker, aber trotz des Wechsel an der Konzernspitze gehört Schlecker für mich zu den größten Sklaventreibern und Ausbeutern in unserem Land!
Franziska Huber, Lauf, 27.01.2012 10:56:
30 Fillialen und 75 bis 85 Arbeitnehmerinnen. Das sind nicht einmal 3 pro Filliale. Kann mir jemand mal erklären, wie das funktioniert? Alleine schon arbeits, urlaubs und krankheitstechnisch?
Tut mir leid, aber so ein Konzept war von Anfang an zum scheitern verurteilt.

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