Aufs Handy verzichten

HERSBRUCK (kb) — Einmal im Jahr treffen sich die Elternbeiräte der vier Gymnasien im Landkreis sowie deren Schülersprecher zu einem lockeren Meinungsaustausch. Diesmal war das Hersbrucker PPG Gastgeber der illustren Runde, die vom Tanzkurs über Handyfasten bis zum Lehrermangel allerhand Themen rund um den Schulalltag auf der Tagesordnung hatte.
Bevor sich die Elternbeiräte von PPG, Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium Lauf, Leibniz-Gymnasium Altdorf und vom Geschwister-Scholl-Gymnasium Röthenbach samt den jeweiligen Schülersprechern ihrer Themenliste widmeten, zeigten Lehrer Thomas Krapf und PPG-Direktor Georg Fleischer den Gästen erst einmal die neueste technische Errungenschaft der Schule: das Smart Board. Drei davon hat die Schule mittlerweile. Das gute Stück ersetzt nicht nur die Tafel, sondern auch Overhead-Projektor, Kartenständer, Video und Beamer.
Den Eltern gefiel das High-Tech-Gerät zwar, dennoch hielten sie nicht mit kritischen Fragen hinter dem Berg. Wie lange die Software halte, bis sie ausgetauscht oder aktualisiert werden müsse? Ob die Schüler noch im Unterricht mitschreiben, wo sie doch die Tafelanschrift hinterher digital vom Lehrer bekommen könnten? Und ob ältere Lehrer überhaupt mit dieser Technik Schritt halten könnten? Krapf und Fleischer nahmen den Eltern ihre Ängste. Tafelanschriften würden auch jetzt nicht den Kindern einfach nur vorgesetzt, sondern weiterhin gemeinsam mit ihnen erarbeitet. Und die Lehrer erhielten Schulungen an dem neuen Gerät.
In der Mensa diskutierten die Eltern und Schülersprecher dann in kleinen Gruppen all jene Themen, die sie derzeit beschäftigen. Allen voran Stundenausfälle wegen Krankheit und Schwangerschaft und drohende Lehrerkürzungen. An einigen Gymnasien seien beispielsweise Mathelehrer für längere Zeit ausgefallen. Die müsste die Schule, weil das Ministerium mangels geeigneten Fachpersonals keinen Ersatz schicken könne, dann häufig durch Kräfte vom freien Markt ersetzen, was mancherorts mehr schlecht als recht funktioniere.
Zudem befürchteten die Eltern, dass ab dem neuen Schuljahr - der letzte Jahrgang des alten G9 macht im März Abi - Lehrerstellen einfach eingespart würden. Denn dann gibt es an den Gymnasien nur noch acht statt wie bisher neun Jahrgangsstufen. Die Elternbeiräte beschlossen daher, in einem gemeinsamen Schreiben an das Kultusministerium ihrem Unmut und ihren Befürchtungen Luft zu machen. Und auch bei der Mitgliederversammlung der Landes-Elternvereinigung am 26. und 27. Februar in Neuburg an der Donau wollen sie die Problematik ansprechen.
An einem anderen Diskussionstisch ging es derweil um die Idee des Handyfastens. Der Elternbeirat des PPG möchte in den nächsten Wochen gezielt Klassen ansprechen und sie motivieren, bei dem Projekt mitzumachen. Für eine Woche sollen die Schüler dabei ihr Handy abgeben und auf SMS, Telefonate und Musikhören mit dem Mobiltelefon verzichten. Klassen, die durchhalten, erhalten zur Belohnung Preise. Dafür sucht der Elternbeirat noch Sponsoren. Die Altdorfer Vertreter waren von der Idee begeistert und überlegen, an ihrem Gymnasium Ahnliches zu versuchen.
Andere Eltern diskutierten über die Themen Tanzkurs, die mangelnde Akzeptanz der Mensa bei den Schülern und die Computerausstattung an den einzelnen Gymnasien. Zum Schluss erhielten die Elternbeiräte noch eine kleine Info-Broschüre über die bayernweite Messe „Schule - EineWelt“, die vergangenes Jahr zum zweiten Mal in Augsburg stattfand. Hier könnten sich künftig doch auch Schüler der Landkreisgymnasien mit Projekten rund um Globalisierung und Fairen Handel beteiligen, regte Angelika Pflaum vom Elternbeirat des Hersbrucker PPG an. Die Messe könnte durch ein solches Engagement 2012 möglicherweise sogar nach Nürnberg geholt werden.
Im nächsten Schuljahr will sich die Eltern-/Schülerrunde in Altdorf am Leibniz-Gymnasium treffen. Dann wird sich zeigen, was aus den angedachten Projekten wie etwa dem Handyfasten geworden ist.




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