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16.03.10 00:00 Uhr

Woran „krankt“ die Citta Slow?

Von: Hersbrucker Zeitung

HERSBRUCK (jr) - Die Idee, Großparkplatz Plärrer und Frankenalb Therme mit einer Hochbahn fünf Meter über dem Boden zu verbinden, rief bei den Stadträten eher belustigte Kommentare hervor. Doch ansonsten enthält das im Bauausschuss vorgestellte Entwicklungskonzept für Hersbruck eine Vielzahl von Vorschlägen - und es beleuchtet Stärken, Defizite und Chancen der Citta Slow.

Der Planungsentwurf wird übermorgen, am Donnerstag, in der Bürgerversammlung der Öffentlichkeit durch Architekt Dieter Drexl vorgestellt (18. März, Aula der Grete-Schickedanz-Schule, Beginn 19.30 Uhr). Es ist nicht verbindlich, sondern bildet die Grundlage für die Gewährung von Fördermitteln aus dem Programm „Stadtumbau West “.

Im Bauausschuss erläuterte Dieter Drexl die Probleme Hersbrucks in naher Zukunft. Sehr bald wird die Hälfte der Einwohner über 50 Jahre alt sein. Hier gilt es, rechtzeitig die Weichen zu stellen, aber auch den Zuzug junger Familien zu fördern. Weitere Sorgenkinder beziehungsweise laut Konzept „Herausforderungen “ sind Leerstände in der Altstadt, Brachflächen wie etwa das Schickedanz-Areal und die schlechte Vernetzung der Frankenalb Therme mit dem Zentrum.

Hersbruck kann allerdings auch mit etlichen „attraktiven Pfunden “ wuchern: die historische Altstadt, ein großes Versorgungsangebot, Citta Slow, lebendige Ortsteile, Arbeitsplätze, Erholungsmöglichkeiten, die Nähe zu Nürnberg, eine überdurchschnittliche Verkehrsanbindung, Kulturangebote, alle Schultypen und mehr.

Für den Hersbrucker Oberen und Unteren Markt empfiehlt Dieter Drexl vor allem den Erhalt der guten Mischung. In der Prager Straße und Martin-Luther-Straße sollten Betriebsansiedlungen erfolgen, die Seitengassen wie Kugelgasse und Kirchgasse benötigen mehr Einzelhandel. Demgegenüber rät der Fachmann, die Nürnberger Straße außerhalb des Tores nicht mehr für neue Läden zu berücksichtigen, um eine „Zerfaserung “ zu vermeiden.

Drexl warnt davor, als Anreiz für einen Stadtbummel durch Hersbruck allein auf das denkmalgeschützte Ensemble zu setzen. Nötig sind vielmehr größere und zeitgemäße Verkaufsflächen - auch auf Kosten von „originaler Bausubstanz “. Ansonsten drohen nach Ansicht des Architekten weitere Leerstände. Es ist schlimm, wenn Touristen kommen und immer mehr Läden ohne Leben sehen, wies er auf die Folgen hin.

Andere Ideen sind eine Markthalle (am Oberen Markt), eine bessere Beschilderung und - vorrangig - eine Gestaltung des Schickedanz-Areals. Außerdem würde der Zugang zum Wehrgang beim Spitaltor „mehr Stadterlebnis “ bringen. Durch den Rückbau von Anbauten (,Entkernung “ der Altstadt) können Innenhöfe und neue Passagen entstehen. Ähnlich wie bei den Läden sieht es bei den Wohnungen im Herzen Hersbrucks aus: zu klein, zu unattraktiv, kaum Freiräume für Kinder.

Neue Läden in Planung

Die bestehende Konzentration von Geschäften (Aldi, E-Center, Tedi, kik...) in der Happurger Straße wird in dem Konzept bereits jetzt als „kritisch “ beurteilt. Zusätzlich sind nun die Errichtung eines neuen Takko-Textilmarkts und einer dm-Drogerie konkret in Planung. Dieter Drexl fordert ohne Umschweife vor deren Realisierung erst einen „Nachweis der Innenstadtverträglichkeit “.

Nahe der Frankenalb Therme lauten die Schlagworte „Umgestalten des Umfeldes “ und „Schaffung eines Kurparks “. Maßnahmen sind zum Beispiel Errichtung eines Kurpavillons, Sanierung des Rosengartens und Bau eines Gästehauses. Auch die Wege Richtung Innenstadt müssen schöner werden, etwa durch Baumreihen in der Amberger Straße. Eine Hochbahn hin zum Plärrer würde die Parksituation an der Therme entlasten.

Andere Verbesserungsvorschläge beziehen sich auf das Brachgelände am Bahnhof rechts der Pegnitz, die Verschönerung des Plärrer und der Pegnitzauen, in denen eine Paddelübungsstrecke, ein Wasserspielplatz, mehr Pegnitzstege, ein Kunstpark und Mutterkuhhaltung empfohlen werden.

Die Hersbrucker Ortsteile erhalten in dem Konzept gute Noten. Eine Schwachstelle ist das Fehlen von durchgängigen Fuß- und Radwegen etwa nach Weiher und Ellenbach für - O-Ton Entwicklungskonzept - „nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer “. Leerstände gibt es vor allem bei alten Bauernhäusern. Als Vorbild für eine Umnutzung solcher Gebäude gilt die Leutenbacher Kulturscheune. In Altensittenbach sollte die Nürnberger Straße optisch aufgewertet werden.

Die Stadtratsfraktionen haben bis zum Sommer Zeit, sich Gedanken über die Vorschläge und Ideen zu machen, sagte Bürgermeister Wolfgang Plattmeier.

Die Förderung aus dem Programm „Stadtumbau West “ beträgt allerdings nur 60 Prozent - vermutlich zu wenig für viele Projekte (die eingangs erwähnte Hochbahn würde rund sechs Millionen Euro kosten), denn Hersbrucks Kassen sind bekanntlich leer. Man wird angesichts der Ideen, die am Geld scheitern, schon etwas wehmütig, fasste das neue Stadtoberhaupt Robert Ilg die Meinung aller im Bauausschuss zusammen.




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