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Kultur HZ
20.01.12 13:22 Uhr

Eiskalte Saurier

redaktion(at)hersbrucker-zeitung.de

Roswitha Maria Farnsworth bei der Arbeit am Maul ihres Pliosauriers.

KITZBÜHEL (kp) — Die Reihe seiner Fangzähne ist Furcht einflößend, das gut einen Meter lange Maul des Pliosauriers leicht geöffnet: Roswitha Maria Farnsworth aus Hersbruck hat im Igludorf nahe Kitzbühel heuer zwei urzeitliche Meeressaurier zum Leben erweckt, wenn auch nur für ein paar Wochen. Ende März werden die kunstvollen Eisskulpturen wohl wieder in ihr angestammtes Element abtauchen und sich in Wasser auflösen.

Wie so vielen anderen machte Ros witha Maria Farnsworth heuer jedoch das Wetter (beinahe) einen Strich durch die Rechnung. Weil auch auf dem Hochplateau mitten in der Skiwelt Wilder Kaiser Brixental kaum Schnee lag, verzögerte sich schon die Anreise der Bildhauerin um zwei Tage. Als sie dann einen Tag vor Silvester auf gut 1300 Meter aus der Gondelbahn Hochbrixen stieg, war das weitläufige Schneehüttendorf gerade einmal halb fertig: Die Iglubauer hatten zwar schon ein paar Schlafunterkünfte, das Restaurant und einen der vier Aufenthaltsräume errichtet - „der Iglu aber, in dem ich die Lounge gestalten sollte, stand noch nicht“.

So schmückte die Hersbruckerin zunächst einmal einen Schlafiglu mit einem kleinen Urzeitfisch und einem riesigen Ammonitenhaufen. Und befreite anschließend einen 80 mal 50 mal 25 Zentimeter großen „Fangzahnfisch“ aus seinem eisigen „Gefängnis“. Am nächsten Tag konnte sie sich dann endlich mit Kettensäge, Schepser und Schnitzeisen ans Werk machen, um in einem Verbindungsgang zwischen „ihrem“ und einem anderen Schneehaus zwei meterlange Meeresreptilien der Trias- und Kreidezeit aus den Wänden herauszuarbeiten.

„Ursprünglich sollte das Maul des Pliosauriers ja komplett aus Eis sein und in den Raum ragen - aber dazu war es einfach zu warm“, erzählt die Hersbruckerin. Doch selbst der Schnee an den Igluwänden war denkbar ungeeignet für eine feine künstlerische Ausarbeitung der beiden gewaltigen Fleischfresser der Urozeane. „Grauenhaft, total sulzig und weich“, sagt Farnsworth.

Zudem stieg das Thermometer im Iglu beständig über die Frostgrenze, was auch ihre Künstlerkollegen wie den Nürnberger Stefan Schnetz oder Steinmetz Klaus Grunenberg in die Verzweiflung trieb. Im Restaurant hatte ein Bildhauer ein aufwändiges Relief aus den eineinhalb Meter dicken Wänden gekratzt, doch nur zwei Tage später waren viele der liebevoll ausgearbeiteten Details schon wieder verschwunden...

Dieses Schicksal ereilt sicher auch die Meeressaurier von Roswitha Maria Farnsworth, doch das kennt sie schon zur Genüge, immerhin wirkte sie heuer bereits zum vierten Mal beim „Projekt Alpeniglu“ mit. „Ob s auch ein fünftes Mal gibt, weiß ich noch nicht“, sagt sie. Dem ungewöhnlichen Werkstoff Eis aber bleibt die Hersbruckerin bestimmt treu, schließlich übt das frostige Material eine sehr große Faszination auf sie aus: Kaum aus Kitzbühel zurück, folgte sie „mit großem Spaß“ dem Ruf von Klaus Grunenberg auf den Kalten Markt in Ellwangen, wo die beiden „live“ drei Eisskulpturen schnitzten.

Mehr zum Igludorf im Internet unter www.alpeniglu.com.




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