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18.06.10 13:58 Uhr

Die Tür für Gespräche ist dennoch nicht ganz zu

Von: Martina Rüsing

Mit solchen Bannern macht das Feuchter Tierheim auf die derzeit laufende Unterschriftenaktion und die befürchteten Probleme durch das vorgesehene angrenzende Wohngebiet aufmerksam. Foto: Rüsing

FEUCHT – Die Positionen sind klargestellt und scheinbar kaum zu vereinbaren: Während sich die Mehrheit des Feuchter Marktgemeinderates für den Bebauungsplan „Am Reichswald“ stark macht, fürchten die Verantwortlichen des Feuchter Tierheims um die langfristige Existenz ihrer Einrichtung, wenn nur wenige Meter entfernt ein großes Wohngebiet entsteht. Dennoch zeigen sich die Tierschützer gesprächsbereit. Den Vorwurf aus den Reihen der CSU, sie würden eine Blokkadehaltung einnehmen, wollen sie so nicht stehen lassen.
Auf dem ehemaligen Industriegelände, das seit über zehn Jahren brachliegt, wollen Investoren etwa 350 Häuser errichten. Es ist das letzte große Areal im Feuchter Gemeindegebiet, das noch für Wohnbebauung zur Verfügung steht. Umgeben vom Reichswald hat die Kommune keine anderen Ausdehnungsmöglichkeiten mehr.
Problematisch ist allerdings die Lärmsituation. An das geplante Wohngebiet grenzen neben Straßen und Schienen der Landmaschinenhersteller Fella-Werke und weitere Industriebetriebe, Sportvereine und eben das Feuchter Tierheim an. Mit einer so genannten Riegelbebauung will man in „Am Reichswald“ für ruhigere Wohnverhältnisse sorgen. So sieht der Bebauungsplanentwurf auf der Ostseite etwa neun Meter hohe Gebäude vor, deren schutzwürdige Räume wie Schlafzimmer vom Tierheim abgewandt liegen müssen.
Die Bedenken der Tierheim-Verantwortlichen sind damit aber nicht zerstreut. Sie fürchten weiterhin, dass künftige Anwohner sich zum Beispiel durch nächtliches Hundegebell so gestört fühlen, dass sie vor Gericht klagen. In einem vergleichbaren Fall musste ein anderes Tierheim nach einem verlorenen Prozess umziehen. Eine andere Einrichtung in Bayern bekam solche Auflagen, dass „sie bei der Hundebetreuung fast handlungsunfähig ist“, berichtet Herbert Sauerer, 1. Vorsitzender des Feuchter Tierheims.
Er verweist auf die bundesweit anerkannte Arbeit, die man in Feucht seit 52 Jahren leistet. Ist der Fortbestand des Tierheims gefährdet, sind auch rund 20 Arbeitsplätze bedroht, macht er im Gespräch mit unserer Redaktion erneut deutlich. Daher fordert der gesamte Vorstand eine rechtliche Absicherung, damit das Tierheim an seinem jetzigen Standort vor Klagen geschützt ist.
Das ist juristisch jedoch nicht machbar. „Für den Fall von Klagen künftiger Anwohner gibt es keine Garantien“, macht 1. Bürgermeister Konrad Rupprecht deutlich. Aber es gebe im jetzigen Stadium der Planung immer noch Möglichkeiten, eine potenzielle Lärmbelästigung und damit die Wahrscheinlichkeit solcher Klagen zu minimieren.
Eine Möglichkeit schlugen die Investoren, Krauß Verpachtungen und Munck Immobilien, den Tierheim-Verantwortlichen vor. Sie boten an, ihnen eine Halle für die nächtliche Anlieferung von Fundtieren zur Schallminderung zu finanzieren. Allerdings traten sie dabei „sehr forsch“ auf, wie Herbert Sauerer es vorsichtig umschreibt. Wenn das Tierheim diesen Vorschlag nicht akzeptiere, werde man das Geld stattdessen eben einem Anwalt geben. Zudem hätten die Investoren den Tierschützern unterstellt, dass sie die in der Baugenehmigung festgelegten Lärmauflagen für den Betrieb der Einrichtung nicht einhalten.
„Wir fühlten uns herablassend behandelt“, ärgert sich der 1. Vorsitzende noch heute. „Das war kein Gespräch auf Augenhöhe.“
Dennoch beriet man im Vorstand über das Angebot und lehnte es aber schließlich einstimmig ab. „Mit der Einhausung würden wir Freiflächen auf unserem Gelände verlieren und müssten den Betrieb anders organisieren.“ Zudem wären wohl auch die Wartungs- und Betriebskosten vom Tierheim, das sich nur durch Spenden finanziert, zu tragen. Auch der inzwischen beauftragte Anwalt riet dem Vorstand ab. „Wir wurden das Gefühl nicht los, dass man uns auf diese Weise unseren Widerstand abkaufen wollte“, erklärt Sauerer.
Dennoch sind er und seine ehrenamtlichen Kollegen weiterhin gesprächs- und kompromissbereit. So regten sie in ihren 14-seitigen Einwendungen zum Bebauungsplanentwurf unter anderem an, dass auf ihrer Seite des Wohngebiets Gewerbe- statt Wohnflächen ausgewiesen werden. Das wurde aber abgelehnt - wohl auch weil es für die Investoren weniger lukrativ wäre.
Bürgermeister Rupprecht betont stets, wie wichtig „Am Reichswald“ für die Zukunft des Marktes Feucht ist. Damit könne man vor allem jungen Familien preisgünstigen Wohnraum anbieten und so dem prognostizierten Bevölkerungsrückgang entgegenwirken. Die Gemeinde habe mit den Investoren alle Anstrengungen unternommen, um gemeinsam mit den Anliegern Lösungen vor allem für die Lärmproblematik zu finden. „Dies ist mit den meisten inzwischen einvernehmlich gelungen. Das Tierheim jedoch sieht sich leider nach wie vor außer Stande, gemeinsam nach solchen Lösungen zu suchen, sondern wendet sich gegen das Wohngebiet insgesamt“, erklärt der Rathauschef in einer Stellungnahme. Die Tür für Gespräche stehe allerdings weiterhin offen.
Unterstützer auch im Ausland
Das Tierheim hat Mitte Mai eine Unterschriftensammlung initiiert, die auf große Resonanz stößt. Im ganzen Landkreis wurden Listen verteilt. Darauf tragen sich die Unterstützer ebenso wie im Internet unter www.tierheim-feucht.de/petition ein. Sogar aus dem Ausland sind bereits Einträge zu finden. All diese Unterschriften sollen später an den Bürgermeister übergeben werden. Herbert Sauerer ist sich allerdings darüber im Klaren, dass dies keine rechtliche Bedeutung hat. Es unterstreiche lediglich, wie ernst auch Außenstehende die Problematik für das Feuchter Tierheim einschätzen.
„Ich verstehe, dass die Gemeinde ihre Einwohnerzahlen halten will – aber nicht auf Kosten des Tierheims“, macht der 1. Vorsitzende deutlich. Man wolle nicht das Wohngebiet verhindern. Ziel sei es, die langfristige Existenz der Einrichtung zu sichern.
Spürbare Auswirkungen hat das laufende Bebauungsplanverfahren bereits jetzt: Der Vorbescheid des Tierheims zur Errichtung einer Vogelvoliere liegt auf Eis: Der Marktgemeinderat erließ eine Veränderungssperre, weil das Projekt den Bebauungsplan gefährden könnte, schließlich würde durch die Vogelvoliere weiterer Lärm entstehen. Die genauen Auswirkungen will der Markt Feucht in Ruhe prüfen lassen, so die Begründung.
Im Bauauschuss am 1. Juli wird der Bebauungsplan „Am Reichswald“ wieder Thema sein. Derzeit sucht man noch nach Kompromissen, um die Interessen der Fella-Werke und des Tierheims stärker einzubeziehen, erklärt Bürgermeister Rupprecht im Gespräch mit unserer Redaktion. Daher steht noch nicht fest, wann der Auslegungsbeschluss gefasst wird.




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Kommentare

Christine Pöhnl, Nürnberg, 14.07.2010 19:29:
Wie traurig, dass der Profitgier mancher Menschen so viel geopfert werden muss und dass sie damit nach geltendem Recht so weit durchkommen! Anstatt dass diese Menschen sich denjenigen, die sich meist ehrenamtlich für wehrlose Mitgeschöpfe einsetzen, auch noch überlegen fühlen und sie von oben herab behandeln, sollten sie sich in Grund und Boden schämen! Dasselbe gilt für einen Gemeinderat der derartige (Fehl-)Entscheidungen trifft.
Oliver Richert, Schwabach, 22.06.2010 11:43:
"Immer drauf auf die armen Tiere!"
Als ich vom Bebauungsplan "Am Reichswald" hörte, war ganz schön entsetzt.Nach meiner Information ist das Tierhei Feucht schon seit über 50 Jahren dort und hat erst ein Gebäude neu errichtet, um Tiere unter zu bringen. Und nun soll da ein Wohnbaugebiet hingeknallt werden. Da ist aufjedenfall Ärger vorprogrammiert. Und das muß ja nicht sein. Warum kann man diese Tiere nicht einfach in ruhe lassen. Schließlich können sich diese Tiere sich wehren. diese Aufgabe müssen wie Tierfreunde übernehmen und ausführen. In den Augen der Komunen und Tiergegner dürfen diese Tiere rein gar nichts wie z.B. ein Hund. Der darf nicht Bellen,beim Gassi gehen seine Notdurft nicht erledigen und auch nicht Spieln. Aber Hundesteuer verlangen. Ein Katze darf dann auch mehr maunzen und durch Wiesen und Felder pirschen u.s.w. Und das finde ich sehr, sehr traurig. Dafür kann eine Komune einem Tier das tierisches Leben, in dem sie erst einmal einen Wald plättet und dann ein Wohnbaugebiet für über 350 Wohneinheiten, in einem Tierheim noch schwerer machen als es ja eh schon ist.

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